Frankfurt. Madrid hat die Rechnung wohl ohne den Wirten gemacht: Spaniens klamme Regierung wollte die marode Sparkassengruppe Bankia mit Staatsanleihen retten. Nun allerdings sprach die Europäische Zentralbank (EZB) ein Machtwort: Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, haben die Notenbanker den Plan, der Muttergesellschaft von Bankia Anleihen im Wert von 19 Mrd. Euro zuzuschießen, sehr deutlich als inakzeptabel bezeichnet. An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für Nervosität. Und die Zweifel, ob Spanien die Probleme im Bankensektor in den Griff bekommt, weiter verstärkt.
Die Regierung in Madrid hatte geplant, Staatsanleihen bei der EZB gegen Geld einzutauschen, um damit den kriselnden Kreditriesen Bankia zu sanieren. Die EZB hat der "FT" zufolge jedoch klargemacht, dass eine richtige Geldspritze nötig sei. Die spanische Regierung hatte diese Idee am Wochenende ins Spiel gebracht, sich zwischenzeitlich davon aber wieder etwas distanziert. Ministerpräsident Mariano Rajoy will direkte Hilfe aus den europäischen Rettungstöpfen vermeiden, um den Finanzmärkten kein Zeichen der Schwäche zu liefern. Stattdessen forderte Rajoy die EU dazu auf, die Rolle der EZB zu überdenken. Zudem solle die EU über die Einführung von Eurobonds nachdenken. Der Druck wird auch so immer größer - zu Wochenbeginn kletterten die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen auf Rekordhöhe.
Problematische Aktiva in Höhe von 40 Milliarden Euro
Experten fürchten, die Regierung in Madrid könnte sich übernehmen. "Die Eigendynamik der jüngsten Bankenkrisen scheint sich zu wiederholen", schreibt Commerzbank-Experten Ulrich Leuchtmann. Noch heiße es, dass eine staatliche Kapitalspritze von 19 Mrd. Euro ausreichen werde, die angeschlagene Bankengruppe zu rekapitalisieren. Gleichzeitig sei dort aber bereits von "problematischen Aktiva" in Höhe von 40 Mrd. Euro die Rede. "Kein Wunder, dass die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer glauben dürfte, dass der Umfang der Bankenhilfe deutlich größer ausfallen könnte, als momentan aus Madrid verlautet."
Die Bankia-Muttergesellschaft BFA hat unterdessen Verluste in Milliardenhöhe eingeräumt. Nach einer korrigierten Bilanz hatte die BFA (Banco Financiero de Ahorro) im Jahr 2011 ein Minus von 3,3 Mrd. Euro aufgewiesen. Dies geht aus einer Neubewertung hervor, die die Unternehmensführung in der Nacht zum Dienstag verabschiedete. Im April hatte das Unternehmen in seiner Bilanz für 2011 noch einen Gewinn von 41 Mio. Euro ausgewiesen. Bankia, Spaniens viertgrößte Bank, hatte am Freitag ebenfalls ihre Bilanz korrigiert und einen Verlust von knapp 3,0 Mrd. Euro eingeräumt.
Nervosität auf den Märkten
Das Anfang Mai teilverstaatlichte Geldhaus hatte beim spanischen Staat eine Kapitalhilfe von insgesamt mehr als 23 Mrd. Euro erbeten. Die Krise der Bank führte dazu, dass Spanien wieder verstärkt in den Strudel der Schulden- und Finanzkrise geriet. Anleger reagierten hochgradig nervös auf die neuesten Hiobsbotschaften aus Madrid: Der Euro fiel im frühen Handel auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. Der Kurs der Gemeinschaftswährung rutschte zeitweise bis auf 1,2458 US-Dollar ab. Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen stieg um 0,07 Prozentpunkte auf 6,468 Prozent.
Zusätzlich gesteigert wurden die Sorgen um die spanischen Geldhäuser durch den unerwarteten Rücktritt des Chefs der spanischen Notenbank Miguel Fernandez Ordonez am Vorabend. Ordonez nimmt damit einen Monat früher seinen Hut als geplant. Er war heftig wegen seines Krisenmanagements im Fall der Bankia kritisiert worden.