Budapest/Wien. (apa/reu/mel) Kaum gibt es Signale, dass die EU von ihrer kritischen Haltung gegenüber der ungarischen Regierungspolitik abrückt, will Ungarn die Gunst der Stunde nutzen und erneut mit dem IWF über Hilfskredite verhandeln. Von einem neuen Kreditabkommen sei man "nicht allzu weit entfernt", erklärte Staatssekretär Mihaly Varga am Donnerstag. Laut Nachrichtenagentur MTI rechnet Ungarn mit einem zwei- bis dreijährigen Kredit über 15 Milliarden Euro. Varga hofft auf einen Verhandlungsstart im Sommer.
Ob das tatsächlich möglich sein wird, ist fraglich. Zwar hat die EU-Kommission am Mittwoch empfohlen, gesperrte EU-Fördergelder für Ungarn freizugeben. Am 22. Juni könnten die EU-Finanzminister darüber beraten. Allerdings hat die EZB am Donnerstag ihre Kritik am ungarischen Notenbankgesetz erneuert: Der zuletzt überarbeitete Gesetzesentwurf sei nicht weitreichend genug, um die Unabhängigkeit der ungarischen Zentralbank wieder herzustellen, meint die EZB.
Kritik an Schüssel
Lob für Ungarns Premier Viktor Orban kommt von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel: Dessen Regierung würde richtig handeln, wenn sie ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament nutze, so Schüssel laut MTI. Immerhin hätten die ungarischen Bürger bei der Wahl für Reformen gestimmt. Dafür wurde Schüssel umgehend kritisiert, unter anderem vom ungarisch-stämmigen Publizisten Paul Lendvai.