Wien/Düsseldorf/München. Nein, für Fahrer mit schwachen Nerven ist der Nissan Leaf nichts. Der weltweit erste und mit mehr als 30.000 Stück bisher auch meistverkaufte rein elektrisch betriebene Pkw - schon vor seiner Markteinführung auch in Europa zum "Auto des Jahres" gekürt - fordert radikales Umdenken bei der Planung jeder Fahrt. Kernfrage: Schaffe ich es bis zur nächsten Steckdose? 186 Kilometer Reichweite zeigt die gefällige Instrumententafel beim Start in Wien-Donaustadt an, nachdem das Drücken des Startknopfes kein Motorengeräusch gebracht hat - ein doppeltes freundliches "Bling" zeigt dem Fahrer, dass das Ding in Betrieb gehen kann. Nach zirka 12 Kilometern gefahrener Strecke sind 35 Kilometer Reichweite weg - obwohl die Klimaanlage ausgeschaltet blieb.
Und während im Stadtverkehr - die Prinz-Eugen-Straße etwa geht Richtung Innenstadt ganz schön bergab! - durch Rückgewinnung von Strom beim Bremsen dann schon einmal der eine oder andere Kilometer Reichweite wieder dazukommt, werden dann schließlich am Flughafen Schwechat - keine 20 Kilometer, aber halt auch Autobahn - entfernt, nur mehr ganze 67 Kilometer Reichweite angezeigt. Und fünf davon frisst dann allein die Auffahrt auf Deck 6 des Parkhauses 4. Wird sich das am nächsten Tag für die gut 25 Kilometer zur Eröffnung von Wiens - übrigens erst zweiter - Schnell-Ladestation am Gaudenzdorfer Gürtel ausgehen, oder muss ich mir am Flughafen irgendwo eine Steckdose suchen, wo mein hübscher, leiser und - ja, auch trotz eher vorsichtiger Streichelei des Gas(Strom!)-Pedals flotter - Wagen gut zehn Stunden lang - so schätzt das Display - ans Ladekabel hängen kann?
Knapp 60 Prozent aller Neufahrzeuge in Europa - also mehr als neun Millionen Fahrzeuge - werden 2025 mit einem elektrifizierten Antrieb ausgestattet sein, sagt die neueste Studie "Antrieb 2025" der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Aber: Der Anteil reiner Elektrofahrzeuge bleibt mit 12 Prozent auf Nischen beschränkt, der Elektrohype ist vorbei, bevor er richtig begonnen hat. Hybridantriebe dagegen bewegen im Jahr 2025 gut die Hälfte aller europäischen Neufahrzeuge. Insbesondere Plug-in Hybride, also Hybride mit großer Batterie, die auch am Stromnetz aufgeladen werden können, treiben bis 2025 fast jedes vierte Neufahrzeug an, so die Studie.
Strengere Verbrauchsregeln
"Hybride werden in allen Segmenten sowohl bei Benzinern als auch beim Diesel an Bedeutung gewinnen", so Götz Klink, Leiter der Automotive Practice von A.T. Kearney. Der große Trend geht dabei zu Plug-in Hybriden. "Plug-in Hybride sind zukünftig bezahlbar, verbrauchen sehr wenig und lösen das Hybridversprechen von elektrischem Fahren spürbar ein. Wir rechnen im mittleren Szenario unserer Studie in Europa mit mehr als 20 Prozent Anteil von Plug-in Hybriden in 2025", so Studienautor Stephan Krubasik. "Mildhybride - die nicht rein elektrisch fahren können (Anm.) - haben sogar die Chance, sich in einigen Segmenten als Standardausstattung durchzusetzen."