• vom 06.07.2012, 18:28 Uhr

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"Sympathie reicht nicht"


Von Clemence Peyron

  • Mit der Türkei und den USA hat Europa starke Konkurrenten in Libyen.

Wien. Nicht nur das libysche Volk, auch die internationale Geschäftswelt wartet fieberhaft auf eine rechtmäßig gewählte Regierung in Tripolis. Vor allem die ausländischen Regierungen, die langfristige Engagements planen, sind auf stabile und vorhersehbare politische Verhältnisse in dem erdölreichen Land angewiesen.

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Europa, die USA und die Türkei konkurrieren auf dem libyschen Markt. Wie sich die einzelnen Länder während des Kampfes der libyschen Opposition gegen Diktator Muammar Gaddafi verhalten haben, ist für den Geschäftserfolg aber nicht von Bedeutung - das behauptet zumindest der Direktor der libysch-französischen Handelskammer, Michel Casals. "Frankreich und die USA haben mit Sicherheit eine historische Verbindung zu Libyen während der Revolution geschaffen", sagt Casals zur "Wiener Zeitung", "aber bloße Sympathie reicht nicht aus, wenn es um die Anbahnung von Geschäften geht. Sympathie als einziges Kapital reicht nicht aus." Vor allem Frankreich unterstützte unter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy den Kampf der Rebellen gegen Gaddafi militärisch und finanziell massiv. Damit war von Anfang an die Hoffnung verbunden, dass sich das Engagement später wirtschaftlich lohnen werde.

Derzeit hat immer noch Italien die Nase vorn, wenn es um den Handel mit Libyen geht. Rom ist im Bezug auf das Handelsvolumen mit dem Wüstenstaat stabil auf Platz eins. Der Umstand, dass Italiens ehemaliger Präsident Silvio Berlusconi, den eine intensive Männerfreundschaft mit Gaddafi verband, bis zuletzt an diesem festhielt, hat offenbar wenig Konsequenzen. Ausschlaggebend sind vielmehr die kolonialen Verbindungen Italiens mit Libyen.

Berlusconi hatte noch ein weiteres Interesse, Gaddafi an der Macht zu halten. Libyen investierte große Summen in Italien, etwa in die Unicredit und Fiat. "Allerdings sind die libyschen Investitionen in Italien nach dem Umsturz geringer geworden", weiß Casals. Er weist darauf hin, dass die europäischen Länder mit der Türkei einen großen Konkurrenten bekommen haben. "Die Türkei ist vor allem im Bausektor an der Spitze", so der Wirtschaftsfachmann. Dazu kommt, dass die Türkei das einzige Land ist, das libyschen Staatsbürgern volle Reisefreiheit gewährt. "Die Türkei ist ein sehr ernst zu nehmender Gegner", weiß Casals.

Jedenfalls mangelt es Libyen nicht an Finanzkraft. Das Land exportiert 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag, genau so viel wie vor Beginn der Revolution. Allerdings sieht Casals auch Reformbedarf in Libyen. "Es braucht ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft, 42 Jahre gelenkte Wirtschaft unter Gaddafi haben ihre Spuren hinterlassen", sagt Casals.



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Dokument erstellt am 2012-07-06 18:35:03


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