Frankfurt. (hdt/reu) Nach dem überstürzten Abgang von Karl-Friedrich Stracke - ohne Nennung von Gründen - braucht der kriselnde deutsche Autobauer Opel rasch einen neuen Chef - und auf den wartet ein harter Job.
Laut Zeitungsberichten haben Strategievorstand Thomas Sedran und Produktionschef Peter Thom gute Chancen auf die "extrem harte" Aufgabe. Die Neuzulassungen von Opel auch in Deutschland waren im ersten Halbjahr 2012 laut Kraftfahrt-Bundesamt erneut um 9,3 Prozent zurückgegangen, unter der Kaufzurückhaltung in den südeuropäischen Krisenländern leidet Opel schon länger - große Exportmärkte blieben den Deutschen aber nach der GM-Strategie vorenthalten.
Das Management der amerikanischen Opel-Mutter General Motors (GM) habe angesichts der schlechten Zahlen nicht mehr daran geglaubt, mit Stracke an der Spitze die Wende bei Opel zu schaffen, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer prophezeite harte Einschnitte bei Opel: "Jetzt kommt die knallharte Sanierung. Mitarbeiter werden rausgeschmissen, Werke geschlossen", sagte er "Bild". Die bisherigen Garantien von GM seien mit Strackes Abgang "nichts mehr wert".
Laut der "Allgemeinen Zeitung Mainz" ist Sedran - erst seit 1. April im Opel-Vorstand - Favorit auf den Posten. Der frühere Unternehmensberater werde zudem vom Detroiter GM-Management geschätzt. GMs neuer Allianzpartner Peugeot hatte am Vortag den Abbau von 8000 Mitarbeitern in Frankreich angekündigt. Auch die Europa-Tochter des US-Konzerns Ford leidet unter einem Absatzrückgang um zehn Prozent.
VW boomt auch in China
Der Wolfsburger VW-Konzern dagegen verkündete am Freitag eine weitere Erfolgsnachricht: Das Unternehmen hat im ersten Halbjahr auf seinem wichtigsten - und weltgrößten - Markt China um 17,5 Prozent mehr Autos als 2011 verkauft. Auch an den deutschen Premiumherstellern BMW, Audi, Mercedes und Porsche geht die Absatzkrise bisher völlig vorbei.