• vom 15.07.2012, 18:23 Uhr

International

Update: 16.07.2012, 19:54 Uhr
  • Artikel
  • Fotosstrecke
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Libor-Skandal

Deutsche Bank erwirkt Kronzeugenstatus


Von WZ Online

  • US-Justizministerium bereitet Klagen vor.
  • Barclays-Spitze: Rolle von Barclays wird sich relativieren.

Das Hauptquartier der Deutsche Bank in Frankfurt war Schauplatz einer Razzia.

Das Hauptquartier der Deutsche Bank in Frankfurt war Schauplatz einer Razzia.APAweb/EPA/BORIS ROESSLER Das Hauptquartier der Deutsche Bank in Frankfurt war Schauplatz einer Razzia.APAweb/EPA/BORIS ROESSLER

Washington/Berlin. Im Skandal um manipulierte Zinssätze versuchen nun mehrere Banken, die drohenden Strafen abzumildern. Das berichtet Der Spiegel auf seiner Website. Die Deutsche Bank arbeitet bereits mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten und hat dem Bericht zufolge bei der EU-Kommission und in der Schweiz schon 2011 eine Kronzeugenregelung beantragt. Die Bereitschaft zur Kooperation könnte mögliche Strafen abmildern. Das Institut wollte sich dazu nicht äußern, hießt es im Spiegel weiter. Wie die Nachrichtenagentur Reuters indessen berichet, sagten zwei Personen aus dem Umfeld des Instituts, dass mit der bereits im vergangenen Jahr ausgehandelten Regelung  Deutschlands größtes Bank im Falle einer möglichen Strafe einen Nachlass bekomme. Sie gehe jedoch nicht mit einem Schuldeingeständnis im Skandal um die Manipulation den Londoner Interbankenzins (Libor) einher.

Andere in den Skandal verstrickte Banken wie etwa die Schweizer UBS haben in verschiedenen Ländern ebenfalls Kronzeugenstatus erhalten.

Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.

Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.

Ärger aus den USA

Barclays hatte als erste Bank Fehlverhalten von Händlern eingeräumt und wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Einigung schützt die Händler aber nicht vor Strafverfolgung.

Barclays hatte als erste Bank Fehlverhalten von Händlern eingeräumt und wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Einigung schützt die Händler aber nicht vor Strafverfolgung.APAweb / REUTERS/Andrew Winning Barclays hatte als erste Bank Fehlverhalten von Händlern eingeräumt und wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Einigung schützt die Händler aber nicht vor Strafverfolgung.APAweb / REUTERS/Andrew Winning

Indessen bereitet das US-Justizministerium in der Affäre einem Zeitungsbericht zufolge Strafverfahren gegen mehrere Banken und einige ihrer Angestellten vor. Im Verlauf des Jahres solle zumindest gegen eine Institution Klage eingereicht werden, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf Regierungskreise am Samstag. Unter den betroffenen Einzelpersonen seien auch Händler der britischen Großbank Barclays. Einige Finanzinstitute, darunter mindestens zwei europäische Geldhäuser, arbeiteten bereits an Vergleichen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Anwälte weiter.

Verfahren könnten Jahre dauern

Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken - darunter auch JPMorgan und die Deutsche Bank - wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Der Londoner Interbankenzins Libor wird einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Da die Untersuchungen in dem Fall ungewöhnlich komplex sind, könnten die Verfahren jedoch über Jahre laufen. Daher ist der Zeitung zufolge eher mit Vergleichen zu rechnen als mit Klagen.

Barclays bestimmt keine Emirate-Zinsen mehr

Nach Ansicht der Barclays-Spitze wird die Rolle der britischen Bank in dem Skandal mit dem Bekanntwerden weiterer Details über die Verwicklungen anderer Geldhäuser noch "ins rechte Licht gerückt werden". Zwar hätten Kunden, Aktionäre und Aufsichtsbehörden das Recht, enttäuscht zu sein, schrieb das Führungsgremium der Bank an die Mitarbeiter. Strategie und Geschäftsmodell der Bank seien jedoch vor den jüngsten Ereignissen richtig gewesen und seien dies auch heute noch. Nun müsse der Ruf des Geldhauses wiederhergestellt werden.

Insidern zufolge gibt Barclays wegen des Libor-Skandals seinen Einfluss auf den Interbankenzins in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf. Das Institut habe die Notenbank der VAE über den geplanten Schritt informiert, sagten drei Branchenvertreter Reuters am Sonntag. Barclays gehört zu insgesamt zwölf Banken, mit deren Angaben täglich der Interbankenzinssatz der Emirate ermittelt wird. Die Bank steht bisher aber nicht im Verdacht, auch den Eibor ("Emirates Interbank Offered Rates") manipuliert zu haben. Barclays und die Zentralbank der VAE lehnten eine Stellungnahme am Sonntag ab.




Schlagwörter

Libor, Deutsche Bank, Barclays

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-15 09:56:26
Letzte Änderung am 2012-07-16 19:54:27


Beliebte Inhalte



Umbau verzögert sich: Erst 16 der 885 dayli-Filialen in Österreich wurden mit Bistro ausgestattet. - dayli
  • Der Rückzug des bonitätsstarken Miteigentümers gilt als negatives Signal.
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

  • Drastische Kurskorrektur - nach wochenlangen Börserekorden.
  • weiter

  • Nowotny pessimistisch - OeNB im Vorjahr mit höchstem Gewinn seit 2005.
  • weiter

Werbefigur der Firma Niemetz. - APAweb/GEORG HOCHMUTH Wien. Es ist entschieden: Die zum Meinl-Imperium gehörende Heidi Chocolat mit Sitz in Rumänien kauft den insolventen Wiener Schwedenbombenhersteller...weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

  • Vorarlberger sind die fleißigsten Sammler von Verpackungen.
  • weiter

2011 wurde "Stresstest" zum Wort des Jahres gekürt. Dieses Jahr bleibt dieser den Banken erspart. - APAWeb / dpa-Zentralbild / Patrick Pleul
  • Riesige Kapitallücken einiger Institute in Irland, Spanien und Zypern blieben unentdeckt.
  • weiter

Durch die Betriebsversammlungen der Eisenbahner kann es heute zu Verspätungen im Zugverkehr kommen. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Einige Zugsausfälle im Nahverkehr.
  • weiter




Werbung



Quiz



Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung