Wien/Frankfurt. (dpa/apa/sf) Von der Insolvenz des deutschen Versandhändlers Neckermann ist auch die österreichische Niederlassung in Graz betroffen. Die Folgen für Neckermann in Österreich werden sich im Laufe des Verfahrens herausstellen, so die Pressesprecherin von Neckermann-Deutschland am Donnerstag. Insolvenzanträge wurden gegen Neckermann.de und die Logistik-Sparte eingebracht.
Auch die in Deutschland bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Frege und Joachim Kühne von der Kanzlei CMS wollten sich am Donnerstag zu Neckermann Österreich nicht äußern. Nähere Informationen soll es in den nächsten zehn Tagen geben.
Unter den österreichischen Mitarbeitern herrsche Schock, aber auch Hoffnung. Laut dem Betriebsrat der Grazer Niederlassung mit 300 Mitarbeitern habe man mit der Pleite der Mutter gerechnet. "Wir könnten wahrscheinlich allein auch weiterbestehen", zitiert der ORF Steiermark online den Betriebsratsvorsitzenden Siegfried Schlein. Wie es aber mit der Finanzierung aussehe, das sei die große Frage.
"Eiskalt abserviert"
Das Management versucht seit Monaten, das Geschäft noch stärker vom Katalog ins Internet zu verlagern. Management und Gewerkschaft hatten seit April um die Sanierung gerungen. Ein Kompromiss war am Mittwoch jedoch am Widerstand des Eigentümers der Neckermann.de GmbH, des US-Finanzinvestors Sun Capital, gescheitert. Sun Capital war der Umbau letztlich zu teuer.
Bei den etwa 2400 Mitarbeitern in Deutschland ist die Ernüchterung groß. "Das ist eine Riesenenttäuschung", sagte Logistik-Betriebsrat Thomas Schmidt. Im Versand seien die Mitarbeiter im Schnitt seit 20 Jahren im Unternehmen. "Das war doch ein Stück von unserem Leben und jetzt wurden wir eiskalt abserviert", sagte Schmidt.