Brüssel. (czar/kle/dpa/reu) Der Nordeuro und der Südeuro, eine Euro-Kernzone oder -Kleinzone: Von solchen Wortneuschöpfungen hält der österreichische Außenminister Michael Spindelegger wenig. Mit diesen Bezeichnungen zusammengefasste Spekulationen über einen möglichen Zerfall der Eurozone würden woanders stattfinden, aber von seinen Kollegen habe er solche Überlegungen "nie gehört", betonte Spindelegger am Rande eines Treffens der Außenminister der EU in Brüssel.
Offiziell wird dort auch an anderer Stelle zurückgewiesen, dass es Pläne für die Zeit nach einem möglichen Ausstieg Griechenlands aus der gemeinsamen Währung gebe. Denn es ist wieder einmal Athen, das in den Blickpunkt der EU-Politiker und der Finanzmärkte rückt. Und die Union halte daran fest: Griechenland soll in der Eurozone bleiben. Nur an diesem Vorhaben werde gearbeitet, nicht an Alternativen dazu, meinte ein Sprecher der EU-Kommission.
Dennoch sorgten neue Gerüchte für erneute Unsicherheit. Dazu gehörten Medienberichte, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht mehr an künftigen Hilfszahlungen für Griechenland beteiligen möchte. Dies wurde von den Kreditgebern allerdings nicht bestätigt - weder von der deutschen Regierung noch vom IWF selbst. Der Währungsfonds unterstütze Griechenland bei der Bewältigung seiner finanziellen Schwierigkeiten, hieß es dort. Noch diese Woche werden Vertreter des IWF mit den Behörden in Athen Verhandlungen darüber aufnehmen, wie das Sparprogramm umgesetzt werden kann.
Troika wieder in Athen

Diese Mission startet bereits am heutigen Dienstag. Die Gesandten des Währungsfonds bilden dabei einen Teil der sogenannten Troika, die sich außerdem aus Vertretern der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammensetzt. Sie sollen überprüfen, ob das Land die Verpflichtungen einhalten kann, die es für ein Hilfsprogramm im Wert von 130 Milliarden Euro eingegangen ist. Ihr Abschlussbericht wird ausschlaggebend sein für die Auszahlung des nächsten Teilbetrags.
Diese Entscheidung "wird erst fallen, wenn die laufende Bewertung abgeschlossen ist", wurde daher auch in der EU-Kommission betont. Die Behörde zeigt sich zuversichtlich, dass das schon bald der Fall sein werde - allerdings wohl kaum vor September.
Doch schon jetzt ist klar, dass Griechenland nicht alle Auflagen erfüllen konnte. Schon allein wegen der Kampagnen vor den zweifachen Parlamentswahlen in den vergangenen Monaten kommt es zu Verzögerungen. Daher hat Athen bereits um Aufschub gebeten: Es brauche mehr Zeit, um sein Sparprogramm zu erfüllen. Und eine Neuverhandlung des Abkommens mit den internationalen Kreditgebern wäre der griechischen Regierung noch lieber.
Das aber lehnen die meisten Euro-Staaten ab. Ebenso gibt es kaum Bereitschaft, Athen eventuell mit weiteren Hilfsmilliarden zu unterstützen. So ist kaum absehbar, dass die deutsche Regierung vom Bundestag erneut die Zustimmung zu einem weiteren Griechenland-Paket bekommen würde. So mancher Politiker äußert gar seine Skepsis über einen Verbleib des Landes in der Eurozone. Ein Austritt habe für "viele Fachleute, für die FDP und auch für mich längst seinen Schrecken verloren", sagte etwa der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler dem Fernsehsender ARD.
"Fass ohne Boden"
Dafür erntete Rösler allerdings herbe Kritik. Ein Ausscheiden Griechenlands dürfe nicht herbeigeredet werden, konstatierte der für Europa zuständige Staatsminister im Außenamt, Michael Link in Brüssel. Von den Oppositionsparteien kamen ebenfalls Schelte für Rösler Worte.
Wortmeldungen gab es am Montag auch in Österreich. "Anstatt weiter Geld in das griechische Fass ohne Boden zu schütten, sind die Vorbereitungen für eine geordnete Insolvenz Griechenlands zu treffen", betonte etwa der freiheitliche EU-Mandatar Andreas Mölzer. Auch in Österreich müsse es zum "sofortigen Zahlungsstopp" kommen, fordert BZÖ-Chef Josef Bucher. Griechenland und Co. seien reformunfähig. Diese Länder "müssen raus aus der Eurozone".
Dennoch zeichnet sich ab, dass Griechenland noch mehr Geld braucht, nicht zuletzt um die Kosten zu decken, die sich aus den bisherigen Verzögerungen ergeben haben. Von zusätzlichen Darlehen in der Höhe von 50 Milliarden Euro ist bereits die Rede. Die Hilfstranche, auf deren Freigabe Athen derzeit wartet, beträgt 31 Milliarden Euro.
Kettenreaktion in Eurozone
Sollten der IWF und Deutschland, Athen nicht mehr Zeit und Geld einräumen, wäre das Land wahrscheinlich gezwungen, den Euro-Raum zu verlassen, sagen Experten der Citigroup voraus.
Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg-Bank, schließt in diesem Fall eine Kettenreaktion im Euro-Raum nicht aus. "Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich nicht viel geändert." Der mit Milliarden ausgestattete Rettungsschirm ESM sei nach wie vor nicht einsatzbereit. "Sollte Spanien im Gefolge eines Grexit noch stärker unter Druck geraten, würden die Mittel des vorläufigen Rettungsschirms EFSF nicht ausreichen", betont Schulz. Falls auch Italien Hilfe benötige, dürfte selbst das Geld des ESM nicht reichen. Mit Blick auf den ESM hatten führende Politiker des Euroraums ursprünglich mehrfach angedeutet, man sei jetzt für alle Eventualitäten besser vorbereitet.