• vom 24.07.2012, 22:22 Uhr

International

Update: 24.07.2012, 22:44 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Schuldenkrise

Der Eurozone droht ein heißer August


Von Jan Dörner/AFP

  • Vor allem Spaniens Probleme können die Sommerpause stören.

Fahnen, darunter die spanische und griechische,  in Brüssel. - APAweb / EPA/JULIEN WARNAND

Fahnen, darunter die spanische und griechische, in Brüssel. APAweb / EPA/JULIEN WARNAND

Brüssel. Im Kampf gegen die Schuldenkrise haben sich Europas Politiker an kurzfristig angesetzte Krisengipfel und stundenlange Nachtsitzungen gewöhnt. Und nun steht der Währungsunion - ähnlich wie im vergangenen Jahr - womöglich auch noch ein heißer August bevor. Angesichts der Turbulenzen an den Weltbörsen, der sich zuspitzenden Finanzlage Spaniens und der neu entflammten Diskussion um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ist die Sommerpause ernsthaft in Gefahr.

Rückblick: Ende Juli 2011 waren die Euro-Staats- und Regierungschefs mit dem guten Gefühl in den Urlaub gefahren, auf einem Krisengipfel ein zweites Rettungspaket für Griechenland geschnürt und damit auch den Euro stabilisiert zu haben. Doch die gute Laune währte nur kurz: Bei Investoren wuchs die Sorge um eine Ansteckung weiterer Euro-Länder. An den internationalen Börsen stürzten die Aktienkurse ab, Spanien und Italien gerieten unter massiven Druck an den Märkten. Die Zinsen für ihre Staatsanleihen stiegen immer weiter, bis die Europäische Zentralbank schließlich eingriff und Staatsschulden aufkaufte.

Wiederholungen

Nun scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen. "Das Problem ist ein bisschen ähnlich wie im letzten Jahr", sagt ein ranghoher EU-Diplomat in Brüssel. "Bloß ist die Situation derzeit viel schlimmer." Im Mittelpunkt der Sorgen steht dabei nicht die aktuelle Drohung der US-Ratingagentur Moody's, Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg aufgrund der "wachsenden Unsicherheit" in der Eurozone die Topnote für ihre Kreditwürdigkeit zu entziehen. Ursache der Unruhe sind Spaniens Finanzprobleme.

Erst am Freitag beschlossen die Euro-Finanzminister endgültig ein Paket von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken - und verabschiedeten sich einstweilen in den Urlaub. Ihr nächstes Treffen ist für Ende August oder Anfang September geplant, um über den Antrag Zyperns auf Finanzhilfe zu beraten und die Konsequenzen des stockenden Fortgangs der Spar- und Reformbemühungen in Griechenland zu diskutieren. Doch inzwischen scheint wegen Spanien auch ein vorheriges Eingreifen möglich.

Zinssätze

Außer Valencia und seit Dienstag auch Katalonien könnten weitere hoch verschuldete spanische Regionen Finanzhilfe der selbst mit Budgetproblemen kämpfenden Zentralregierung benötigen. "Wenn sich Spanien für die Regionen Geld am Markt leihen muss, wird die Situation unhaltbar", befürchtet der ranghohe Brüsseler Diplomat. Denn die Zinssätze für spanische Staatsanleihen schossen zu Wochenbeginn auf ein Rekordhoch von rund 7,5 Prozent. Das ist ein Wert, der für Spanien auf Dauer nicht tragbar ist.

"Eine Reduzierung der Finanzierungskosten ist nötig - und wir erachten es als wahrscheinlich, dass ein umfassendes Hilfsprogramm für Spanien bald folgen wird", erwartet Alessandro Giansanti von der ING-Bank. Die Regierung der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone denkt der spanischen Zeitung "El Economista" zufolge offenbar ebenfalls bereits in diese Richtung, auch um die im Oktober fällige Rückzahlung von 28 Milliarden Euro stemmen zu können.

Euro-Rettungsfonds

Möglich wäre ein Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF, etwa in Form einer vorbeugenden Kreditlinie, des Aufkaufs von Staatsanleihen oder einer vollständigen Flucht unter den Rettungsschirm. Der EFSF hat jedoch nur noch rund 200 Milliarden Euro zur Verfügung. "Im Fall eines massiven Eingreifens im August haben wir ein Problem", räumt ein EU-Diplomat ein. Denn der Nachfolgefonds ESM - der 500 Milliarden Euro zur Stabilisierung des Euro einsetzen können soll - steht noch nicht.

Das bereits für Juli geplante Inkrafttreten verzögert sich, weil das deutsche Bundesverfassungsgericht aufgrund von Eilklagen noch entscheiden muss, ob der ESM überhaupt verfassungsgemäß ist. Das Urteil ist für den 12. September angekündigt und wird mit Spannung erwartet: Stoppen die Karlsruher Richter den ESM, steht der Eurozone nach einem heißen Sommer ein noch heißerer Herbst bevor.




Schlagwörter

Eurozone

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-24 22:24:11
Letzte Änderung am 2012-07-24 22:44:42


Beliebte Inhalte



Mehr als 5000 "Siemensianer" arbeiten derzeit noch in der neuen "Siemens-City" in Wien-Floridsdorf. - apa
  • Auch in Österreich wackeln bis zu 1000 Arbeitsplätze
  • weiter

Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • Folgt Johann Strobl als neuer Chef von Raiffeisen International?
  • weiter

  • Was die Dorf-Genossen schafften, reicht heute von Rust bis Russland.
  • weiter

  • Tourismus-Wintersaison brachte Rekord bei Gästezahl und Nächtigungen.
  • weiter

Die blauen Pillen werden deutlich billiger. - Foto: Pfizer
  • Pfizer will direkt übers Internet verkaufen
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Durch die Betriebsversammlungen der Eisenbahner kann es heute zu Verspätungen im Zugverkehr kommen. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Einige Zugsausfälle im Nahverkehr.
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Keine Wachstumsimpulse für die heimische Produktion durch Aufträge aus dem Ausland.  (Symbolbild: Stahlarbeiter) - APA/HANS KLAUS TECHT
  • Letztes nennenswertes Quartalswachstum liegt schon ein Jahr zurück.
  • weiter

Stromstöße und Leistungsabfall: In der Austrian Power Grid (hier Bundespräsident Heinz Fischer bei einem Besuch 2012) werden Netzschwankungen ausgeglichen. - apa/BH/Tatic
  • Subventionen für erneuerbare Energien führen zu Marktverzerrung.
  • weiter




Werbung



Quiz



Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung