
Wien. Die Abkommen gegen Steuerflucht, die OECD-Nationen in den vergangenen Jahren untereinander geschlossen haben, "sind zahnlos", moniert die globalisierungskritische Organisation Attac. Es gebe noch immer viele Schlupflöcher, die genutzt würden. Dennoch sieht OECD-Vizeabteilungsleiter Jonathan Leigh-Pemberton den Kampf gegen die Steuerflucht ganz und gar nicht als gescheitert: Der ständige Fortschritt beim Datenaustausch trage durchaus Früchte.
Steuerflüchtlinge könnten sich nicht mehr sicher fühlen. Und es gebe nicht nur einige wenige Abkommen zwischen einzelnen Ländern, sondern "eine ganze Woge", so Leigh-Pemberton. So seien allein in den ersten zwei Jahren der G20-Initiative 14 Milliarden Euro Steuergeld zurückgeholt worden.
Diese Summe erscheint gering angesichts der Berechnungen des Netzwerks Steuergerechtigkeit, wonach weltweit 21 bis 32 Billionen Dollar (17 bis 26 Billionen Euro) in Steueroasen verborgen seien. Daran zweifelt aber Leigh-Pemberton: "Dann müsste es weltweit 20.000 bisher unbekannte Milliardäre geben." Allerdings sind nach anderen Zahlen allein auf den Cayman Islands fast 900 Milliarden Dollar gebunkert.
Heftige Kritik am Umgang mit Steueroasen übt Attac-Vorstandsmitglied Gerhard Zahler-Treiber: "Es wird so getan, als wären sie unabhängig, viele stehen aber im Einflussbereich westlicher Länder." Diese müssten Vergünstigungen in Steueroasen streichen. Auch Österreichs Bankgeheimnis wird einmal mehr kritisiert.