• vom 13.08.2012, 17:03 Uhr

International

Update: 13.08.2012, 17:13 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



60.000 Euro Gehalt für Frau des Drogerieunternehmers?

Ermittler fühlen Anton Schlecker auf den Zahn



  • Verdacht der Insolvenzverschleppung.

Anton Schlecker soll von der bevorstehenden Pleite seines Drogerieunternehmens bereits 2009 gewusst haben.

Anton Schlecker soll von der bevorstehenden Pleite seines Drogerieunternehmens bereits 2009 gewusst haben.APAweb/dapd/Matthias Kessler Anton Schlecker soll von der bevorstehenden Pleite seines Drogerieunternehmens bereits 2009 gewusst haben.APAweb/dapd/Matthias Kessler

Ehingen. Anton Schlecker bleibt im Visier der Ermittler: Die Staatsanwaltschaft, die der Pleite bei der deutschen Drogeriekette auf den Grund gehen will, habe nach Durchsuchungen von Wohnung und Büros eine große Menge an Beweisen, die erst noch gesichtet werden müssen. Besonders brisant ist dabei der nun publik gewordene Vorwurf, Schlecker könnte bereits 2009 von der drohenden Pleite gewusst haben - und für seine Familie Vorsorgen getroffen haben.

Obwohl ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Stuttgart Details zu den einzelnen Tatvorwürfen schuldig blieb, dürfte es um die Aufarbeitung dieser Frage gehen.  Der "Spiegel" hatte berichtet, dass die Staatsanwaltschaft feststellen wolle, ob Schlecker schon Jahre vor der Insolvenz Teile seines Vermögens in Sicherheit bringen wollte.

Der Unternehmer habe demnach bereits drei Jahren vor der Pleite zufolge um die drohende Zahlungsunfähigkeit gewusst und sie billigend in Kauf genommen haben. Angesichts der schon 2008 und 2009 dramatisch einbrechenden Umsätze habe Schlecker erkannt, "dass die Zahlungsunfähigkeit drohte", zitierte das Magazin aus dem Durchsuchungsbeschluss der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Sie hatte Mitte Juli Wohn- und Geschäftsräume der Familie Schlecker und zehn weiterer Verdächtiger durchsuchen lassen.

"Verdächtige unentgeltliche Vermögensübertragungen"
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Anton Schlecker und weitere Personen wegen des Verdachts auf Bankrott, Untreue und Insolvenzverschleppung. Laut Durchsuchungsbeschluss begannen Anfang 2009 "verdächtige unentgeltliche Vermögensübertragungen auf Familienangehörige": etwa die Übertragung des Familienanwesens in Ehingen im Wert von angeblich 20 Mio. Euro oder das "überhöhte Gehalt an Ehefrau Christa", wie der "Spiegel" weiter zitierte. Sie soll monatlich 60.000 Euro erhalten haben. Dies sei "angesichts der Ertragssituation nicht angemessen" gewesen.

Die Staatsanwälte kritisierten laut Bericht auch die "besondere Art der Unternehmensfinanzierung": Schlecker hatte demnach außergewöhnlich lange Zahlungsfristen, der Erlös aus bereits verkaufter, aber noch nicht bezahlter Ware diente zur Unternehmensfinanzierung. Dies sei eine Art "Schneeballsystem".

20 Wohnungen und Büros durchsucht
Der Durchsuchungsbeschluss war die Grundlage dafür, dass Ermittler vor einem Monat mehr als 20 Wohnungen und Geschäftsräume unter die Lupe nahmen. Bei der Razzia stellten die rund 160 eingesetzten Ermittler umfangreiche Unterlagen und Dateien sicher.

Schlecker hatte Ende Jänner Insolvenz angemeldet, eine Rettung scheiterte. Ende Juni schlossen deutschlandweit die letzten Filialen, rund 25.000 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. In Österreich hat der Investor Rudolf Haberleitner die 900 Schlecker-Filialen - sowie rund 450 Filialen in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg - gekauft. Der neue Eigentümer will aus den Schlecker-Geschäften Nahversorger namens "dayli" machen, nicht mehr als 10 Mio. Euro will er in den Umbau investieren.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-13 17:10:32
Letzte Änderung am 2012-08-13 17:13:08


Beliebte Inhalte



Geld versenkt haben die Gläubiger der Alpine - unter anderem im Tunnelbau. - apa
  • Republik und Banken tragen Hauptlast, schlechte Karten für Anleihezeichner.
  • weiter

  • Habau: Eine Gesamtübernahme braucht Zeit, rascher wäre Filetierung.
  • weiter

Klar ist bereits, dass alle Arbeitnehmer 30 Tage Kündigungsschutz haben. Über die Gewerkschaft wird organisiert, dass die Betroffenen ihre Entgeltforderungen fristgerecht beim Insolvenzgericht einbringen. - APA/BARBARA GINDL
  • Insolvenzentgeltfonds hat Mittel für Arbeitnehmer gesichert.
  • weiter

Die am Mittwoch angemeldete Insolvenz des Bauriesen Alpine ist eine der größten Pleiten der Zweiten Republik und könnte vom Volumen der Verbindlichkeiten her alles bisher Dagewesene übertreffen. - APAweb/dpa/dpaweb
  • 6.483 Dienstnehmer und 8.000 Gläubiger betroffen.
  • Erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli statt.
  • weiter

Die Steuervorschriften gelten auch für das Modelabel. - Foto: Dolce & Gabbana, Collage: WZ Online
  • Anwalt will Berufung einlegen
  • weiter

Die OECD sieht einen ökonomische Mehrwert der Migration. - © ThorstenSchmitt - Fotolia.com
  • EU-Kommission: Europa soll für qualifizierte Arbeiter attraktiver werden.
  • weiter

Die am Mittwoch angemeldete Insolvenz des Bauriesen Alpine ist eine der größten Pleiten der Zweiten Republik und könnte vom Volumen der Verbindlichkeiten her alles bisher Dagewesene übertreffen. - APAweb/dpa/dpaweb
  • 6.483 Dienstnehmer und 8.000 Gläubiger betroffen.
  • Erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli statt.
  • weiter

Gekommen, um wieder zu gehen: Gottwald Kranebitter will Hypo Alpe Adria verlassen. - apa/Techt
  • Fimbag soll aufgewertet werden und "Bad Bank" steuern.
  • ÖVP will Fekter nicht mehr in nächster Regierung haben - Hoffen auf Brüssel.
  • weiter

Die Österreicher halten sich beim Neuwagenkauf zurück. - APAweb / APA, Barbara Gindl
  • Mehr Motorräder zugelassen.
  • weiter

An der Existenz des Bauriesen hängen Tausende Jobs. Die Alpine selbst beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter (zu gleichen Teilen im In- und Ausland). - APAweb/BARBARA GINDL
  • Geschäftsführung strebt Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung an
  • weiter




Werbung



Quiz



Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

20. 6. 2013: Golf ist ein eindeutig ein Sport, wie Maximilian Kieffer beim BMW International in München mit diesem konzentrierten Späh-Liegestütz beweist. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung