• vom 13.08.2012, 20:28 Uhr

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Update: 13.08.2012, 20:32 Uhr
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Nestlé-Verwaltungsrat Peter Brabeck-Letmathe im Gespräch

"Die Wurschtelei dauert noch mindestens zehn Jahre"


Von Reinhard Göweil

  • Der erfolgreiche Austro-Manager zur Euro-Krise und der Zukunft der Banken.

"Europa wird am Ende gestärkt aus der Krise kommen, aber es wird eine Wurschtelei, die noch mindestens zehn Jahre dauert", sagt Peter Brabeck-Letmathe zur "Wiener Zeitung". Der 67-Jährige ist einer der erfolgreichsten Manager aus Österreich. Der gebürtige Kärntner leitete viele Jahre lang den weltweit agierenden Nestlé-Konzern und ist jetzt dessen Verwaltungsratspräsident. Er sitzt im Aufsichtsrat der Credit Suisse und ist im "Unternehmen Österreich 2025"-Beirat von Vizekanzler Michael Spindelegger.

Brabeck-Letmathe erwartet, dass Europa gestärkt aus der Krise kommt - aber es wird dauern.

Brabeck-Letmathe erwartet, dass Europa gestärkt aus der Krise kommt - aber es wird dauern.© (c) wildbild Brabeck-Letmathe erwartet, dass Europa gestärkt aus der Krise kommt - aber es wird dauern.© (c) wildbild

Der Weg bis dahin werde kein leichter, meint der Manager in Salzburg. "Die private Schuldenkrise in Europa ist größer als die öffentliche. Dänemark etwa hat eine Privatverschuldung von 140 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Wir haben nicht nur öffentlich, sondern auch privat zu viel Geld ausgegeben." Sein Fazit: "Wir haben in Europa den Wohlstandszenit überschritten." Er rechnet vor, dass in den USA die Arbeitslöhne gefallen seien und nun etliche Industrieunternehmen wieder in den USA investieren würden. "Die USA haben ein Vertrauensproblem, aber ihre Wettbewerbsfähigkeit steigt."

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Brabeck-Letmathe meint, dass Europa mit der Schuldenkrise bisher intelligenter umgegangen sei, aber nun die Gefahr drohe, dass Deutschland bei der Lösung der Krise überfordert werden könnte. "Deutschland ist der Stützpunkt, ohne Deutschland hätte Europa nichts mehr." Er räumt aber auch ein, dass die Aussagen mancher deutscher Politiker zum Süden Europas kontraproduktiv seien.

Information

Zur Person: Peter Brabeck-Letmathe
Peter Brabeck-Letmathe wurde am 13. November 1944 in Villach (Kärnten) geboren. Nach seinem Wirtschaftsstudium in Wien stieg er 1968 beim Nestlé-Konzern in Österreich ein. Nach Stationen bei Nestlé in Südamerika wechselte er 1987 zur Firmenzentrale in Vevey (Schweiz). Von 1997 bis 2008 war Brabeck-Letmathe CEO von Nestlé. Seit 2005 ist er Verwaltungsratspräsident des Nahrungsmittelkonzerns.

Um aus der Krise zu gelangen, müsste in Europa mehr und nicht weniger gearbeitet werden, sagt Brabeck-Letmathe. Ein Standpunkt, den manche Ökonomen und Gewerkschafter stark bezweifeln. Um die Arbeit besser zu verteilen, treten sie wieder vermehrt für Arbeitszeitverkürzungen ein. Immerhin gibt es in der EU derzeit 25 Millionen Arbeitslose.

Viele Konzerne horten Milliarden Geldbestände, statt zu investieren - das Job-Wachstum der privaten Wirtschaft ist derzeit minimal. Brabeck-Letmathe sieht die Gefahr allerdings woanders: Das Fehlen von Produktivitätsfortschritten in vielen Ländern vernichte Jobs. "Geld- und Steuerpolitik schafft kein Wachstum."

Auch bei den Energiepreisen sieht der Industriemanager Europa schwer im Nachteil. In den USA koste Erdgas deutlich weniger als die Hälfte wie in Europa. Das sei für viele Großunternehmen ein Anreiz dort zu investieren und nicht in der EU. Und es behindert die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Bei Innovationen dagegen könne Europa locker mithalten.


© WZ-Grafik, Quelle: IWF © WZ-Grafik, Quelle: IWF



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-13 18:35:10
Letzte Änderung am 2012-08-13 20:32:13


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