Berlin. (hdt/afp) Die deutschen Konsumenten zahlen für ihren Strom einer Studie zufolge rund drei Milliarden Euro zu viel. Die Preise für den Einkauf von Strom seien in den vergangenen Jahren deutlich gefallen - doch die Versorger hätten dies nicht an ihre Kunden weitergegeben, heißt es in einem Gutachten im Auftrag der Grünen im Deutschen Bundestag, das der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag. Lediglich die Industrie profitiere von sinkenden Preisen.

Der Energieexperte Gunnar Harms untersuchte in der Studie, wie sich der Börsenpreis für Strom und die diversen Steuern und Umlagen auf den Strompreis entwickelten. Dem gegenüber stellte er die Entwicklung der Preise, die Verbraucher für Elektrizität zahlen müssen. Sein Fazit: "Aktuell müsste der Strompreis zwei Cent die Kilowattstunde niedriger liegen, wenn die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise der Vergangenheit an die Verbraucher entsprechend weitergereicht hätten."
In den letzten fünf Jahren habe sich gezeigt, dass gestiegene Einkaufspreise stets unverzüglich weitergegeben wurden, Preissenkungen hingegen nicht, heißt es in der Studie. Private Haushalte zahlen demnach für Strom mittlerweile 20 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Ganz anders sei es bei Großverbrauchern wie Unternehmen: Diese zahlten mittlerweile drei Prozent weniger als zuvor. Die Stromrechnung der privaten Haushalte sei damit "in diesem Jahr immer noch circa drei Milliarden Euro zu hoch". Den Grund sieht Harms im mangelnden Wettbewerb der Versorger bei den Privatkunden: Noch immer hat die ganz große Mehrheit der Stromkunden - ebenso wie in Österreich - nie ihren Anbieter oder auch nur ihren Tarif gewechselt. Sie alle zahlen deshalb unter Umständen Hunderte Euro mehr im Jahr als nötig. Harms kritisierte, die Energieversorger sprächen sich "von jeglicher eigener Veranlassung zu Preiserhöhungen frei und schieben die Ursachen hauptsächlich auf die Politik", insbesondere die Förderung erneuerbarer Energien.
Altmaier: Strompreis wird um fünf Prozent steigen
Im Herbst werden in Deutschland die Kosten neu berechnet, die für die Einspeisung erneuerbarer Energien anfallen und die auf die Stromverbraucher umgelegt werden. Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier rechnet dann mit einem Anstieg der Strompreise von "knapp unter fünf Prozent", wie er der "Rheinischen Post" vom Freitag sagte.
Ein großer Teil der EEG-Umlage fließt an die Produzenten von Sonnenenergie. Altmaier sagte der Zeitung, die Förderung des Solarstroms werde 2020 "oder sogar früher" auslaufen, "wenn wir das Ziel von 52 Gigawatt installierter Leistung erreicht haben".
Der Umweltminister räumte ein, dass in den vergangenen Jahren mehr Windkraftanlagen, Biomasse-Reaktoren und Solarzellen gebaut worden seien als geplant. Deshalb werde er in den kommenden Wochen mit Energieversorgern, Umweltverbänden und Herstellerunternehmen reden, "wie wir den Zubau begrenzen und auf die vorhandenen Netze abstimmen können". Hier liege der wahre Engpass. Der Ausbau der Netze habe die höchste Priorität, betonte Altmaier. "Das heißt, wir müssen den Bürgern einiges zumuten."
Altmeier hatte im Zuge der heftigen deutschen Strompreisdebatte jüngst erklärt, "niemand" habe "Atomausstieg und Energiewende zum Nulltarif versprochen".
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