
Frankfurt am Main. Das Kabinenpersonal der Lufthansa will streiken. Bei den Tarifverhandlungen mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO am Montag kam es zu keiner Einigung. Zum Ende der Ferienzeit werden nun 19.000 Mitarbeiter unbefristet die Arbeit niederlegen. "Wir sind ab heute im Arbeitskampf mit der Lufthansa", sagt der UFO-Chef Nicoley Baublies. Bereits ab Mittwoch könnten wegen des Streiks erste Flüge gestrichen werden. In den nächsten Wochen werde man weiter ohne Vorwarnungen zu Streiks aufrufen, teilt der UFO-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang mit.
Der Streit um den Tarifvertrag dauert bereits mehr als ein Jahr und eine Einigung ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaft will unter anderem das Ende von Leiharbeit und Auslagerung von Arbeitsplätzen und eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent. Das Lufthansa-Management will dieser Forderung nicht nachkommen, mit dem Argument, dass Billigflieger und die Konkurrenz aus dem Nahen Osten zu einem Passagierrückgang geführt hätten. Die Verhandlungen in der Nacht von Montag auf Dienstag waren die letzte Chance auf eine Einigung, am Dienstag ging die 5-Tage-Frist der Gewerkschaft zu Ende. Bisher hat es bis auf kleinere Aktionen aber noch keinen vollwertigen Streik bei der Lufthansa gegeben.
Der Streik trifft die AUA-Mutter Lufthansa zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im zweiten Quartal 2012 hatte die Fluggesellschaft einen Verlust von 20 Millionen Euro hinnehmen müssen und könnte noch tiefer in die roten Zahlen fliegen. Die Nachfrage bei Buchungen lässt nach, die Reaktion darauf ist ein ausgedünnter Flugplan. Langfristig will der Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer das Sparprogramm "Score" durchsetzen. 3.500 Mitarbeiter, das sind 3% der gesamten Belegschaft, sollen abgebaut werden. Gemeinsam mit weiteren Maßnahmen erwartet man sich dadurch 1,5 Milliarden Euro an Einsparungen pro Jahr. Geld, das in die aufwändige und milliardenschwere Investition von neuen Flugzeugen fließen soll.