Jackson Hole/Wien. (reu/apa/
hes) Für Zentralbanker ist es das Sommer-Highlight: Das informelle Branchentreffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming, das die Federal Reserve Bank von Kansas City seit 1978 veranstaltet. Ein elitäres Get-together in ungezwungener Atmosphäre, wo die Krawatten im Koffer bleiben, dafür kluge Ideen zur Geldpolitik ausgepackt werden. Heuer ist alles anders: Kurz vor Konferenzauftakt Ende der Woche hagelt es Absagen. So hat Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, überraschend storniert. Ein EZB-Sprecher nannte als Grund die absehbar hohe Arbeitsbelastung in den nächsten Tagen.
Prompt setzte Rätselraten über Draghis Motive ein. Er wolle sich nicht der US-Kritik, zu wenig gegen die Krise der Eurozone zu tun, aussetzen, mutmaßen US-Medien. In Europa wird gemunkelt, Draghi könnte unabkömmlich sein, weil entscheidende Weichenstellungen bevorstehen. Die Probleme im spanischen Finanzsektor haben sich in den letzten Wochen zugespitzt, sodass eine Rettungsaktion für überfällig gehalten wird. Zwar haben die Europartnerländer schon Mitte Juli bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt. Es fehlt aber immer noch der Hilfsantrag der Spanier (60 Milliarden Euro werden für die maroden Banken benötigt). Auch Gerüchte über einen erweiterten Hilferuf halten sich; dass Madrid also komplett unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte.
Am Montag stellt sich der Italiener einer Ausschussdebatte im Europaparlament über die geplante Bankenunion. Am Donnerstag, den 6. September, diskutiert der EZB-Rat das Anleihenkaufprogramm - davor könnte Draghi keine wirklich substanziellen Ankündigungen machen. Vermutlich hätte seine Rede in Jackson Hole somit ohnehin nur für Enttäuschung gesorgt. "Jackson Hole ist hochkarätig. Aber es werden dort keine Entscheidungen getroffen", heißt es aus Zentralbankkreisen.
Lockere Atmosphäre -
noch lockerere Geldpolitik
Absagen gibt es auch aus Österreich: Jackson Hole wurde heuer eine Woche verschoben - der Termin kollidiert mit dem Europäischen Forum Alpbach. Weil OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny und Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek die Tiroler Berge den Rocky Mountains vorziehen, wird Direktor Peter Zöllner die Oesterreichische Nationalbank in den USA vertreten. Die Schweizerischen Nationalbank (SNB) schickt wegen einer Terminkollision mit ihrem Bankrat keinen Vertreter.
Zur großen Bühne könnte Wyoming erneut für US-Notenbankchef Ben Bernanke werden: Vor zwei Jahren hat er in Jackson Hole die zweite Runde der gewaltigen Staatsanleihenkäufe ("Quantitative Easing II") angekündigt.