Nokia will mit neuen Kartendiensten und einer stark verbesserten Kamera verlorenen Boden im boomenden Smartphone-Markt zurückgewinnen. Der einstige Handy-Marktführer stellte am Mittwoch in New York sein neues Smartphone-Flaggschiff Lumia 920 mit dem kommenden Betriebssystem Windows Phone 8 von Microsoft vor. Das Gerät soll den Abstand bei den Verkäufen zu Samsung mit seinen Android-Smartphones und Apple mit seinem iPhone verringern.
"Das ist das innovativste Smartphone der Welt", verkündete die verantwortliche Nokia-Managerin Jo Harlow bei der Vorstellung in New York. Sie strich besonders die Kartendienste heraus sowie die eingebaute Digitalkamera mit Nokias sogenannter Pure-View-Technologie. Es sei die beste Kamera in einem Smartphone überhaupt, versprach sie. "Das ist Lumia und es ist Zeit zu wechseln."
Dass die Veranstaltung nicht in Finnland, sondern in New York stattfand, hat seinen Grund: In den USA spielt Nokia im Mobilfunkgeschäft praktisch keine Rolle. Wenn die Finnen den Anschluss an die Weltspitze der Smartphone-Anbieter finden wollen, müssen sie präsenter auf dem riesigen Markt werden. Die Amerikaner stehen technischen Neuheiten besonders aufgeschlossen gegenüber. Hier nahm der Siegeszug der Smartphones seinen Anfang.

Kampf um eine Zukunft
Der strauchelnde Handypionier Nokia will mit neuen Windows-8-Smartphones im wichtigen Weihnachtsgeschäft das Ruder herumreißen. Am Mittwoch stellten die Finnen in New York ihr neues Flaggschiff Lumia 920 sowie das etwas kleinere Lumia 820 vor. Das Lumia 920 kann drahtlos aufgeladen werden und verfügt über neue Kameratechnologien. Nokia wie auch Microsoft hoffen, sich mit diesen Produktneuheiten gegen die scharfe Konkurrenz behaupten zu können. Anleger waren davon nicht überzeugt. Sie hatten darauf gesetzt, dass beide Konzerne eine bessere Trumphkarte aus dem Ärmel ziehen. Die Nokia-Aktie brach noch während der Präsentation rund 15 Prozent ein, das Microsoft-Papier stagnierte. Analyst Ben Wood von CCS Insight sagte, es handele sich eher um Evolution als um Revolution. Nokia machte keine Angaben zum Kaufpreis.
Das Lumia 920 könnte die letzte Chance für Nokia sein, verlorene Marktanteile von Apple, Google und Samsung Electronics zurückzugewinnen. Sollte das Gerät bei den Kunden gut ankommen, dürften auch andere Handys mit Windows-Software einen Schub erhalten. Erst in der vergangenen Woche hatte Samsung auf der IFA in Berlin in einem Überraschungscoup das erste Smartphone mit Windows-8-Betriebssystem angekündigt. Die Handysoftware orientiert sich am beliebten Windows-Betriebssystem für PCs. Dies soll Entwickler animieren, geräteübergreifende Anwendungen (Apps) aufzusetzen.
Neues iPhone in den Startlöchern
Die Konkurrenz von Nokia und Microsoft schläft nicht. Alle Technologiegrößen kommen diesen Herbst mit neuen Smartphones oder Tablets auf den Markt. Googles Tochter Motorola Mobility sollte noch am Mittwoch ein neues Gerät vorstellen, einen Tag später will Amazon einen modernisierten Tablet-PC Kindle Fire vorstellen. Wohl noch mehr Wirbel wird dann die mit Spannung erwartete Präsentation von Apple am 12. September machen. Jeder rechnet damit, dass der Konzern das neue iPhone 5 offenbart.
Microsoft hofft darauf, dass sich sein neues Handy-Betriebssystem Windows 8 neben den beiden dominierenden Software-Anbietern Apple und Google als Plattform etabliert. Sollten die neuen Smartphones bei den Kunden nicht ankommen, dürfte Nokia danach kaum noch ein weltweit agierender Konzern sein und Microsoft dürfte es noch schwieriger haben, auf dem Smartphone-Markt Fuß zu fassen. Derzeit liegt der Windows-Anteil am weltweiten Smartphonemarkt bei 3,7 Prozent. Android kommt auf 68 Prozent. Die Zeit drängt: Nokia fuhr in den vergangenen 18 Monaten einen Betriebsverlust von mehr als drei Milliarden Euro ein und kündigte an, 10.000 Stellen zu streichen.
Motorola Mobility bringt neue Handys vor Feiertage in Stellung
Vor dem Beginn des Feiertagsgeschäfts hat die Google -Tochter Motorola Mobility neue Handy-Modelle präsentiert. Die Pressevorführung der Mobiltelefone Droid Razr HD, Droid Razr Maxx HD und Droid Razr M in New York war die größte ihrer Art, seitdem der Internet-Konzern im Mai den Handy-Hersteller übernommen hatte. Auf allen drei Telefonen läuft das Google-Betriebssystem Android. Google-Chairman Eric Schmidt sagte bei der Vorstellung, pro Tag würden bis zu 1,3 Millionen Android-Phones aktiviert.