Frankfurt. Die Lufthansa bereitet sich fieberhaft auf einen der größten Streiks in der Unternehmensgeschichte vor: Über tausend Flüge fallen am Freitag wegen des 24-Stunden-Ausstands der Flugbegleiter aus, etwa 100.000 Passagiere dürften stranden. Von den 1.781 Verbindungen hat die Airline bereits über Tausend gestrichen, davon bis dato 32 Flüge von und nach Österreich. "Wir versuchen, innerdeutsche Passagiere auf die Bahn umzubuchen"", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Donnerstag. Reisende, die wegen des Ausstands der Stewards und Stewardessen an den 15 Lufthansa-Flughäfen festsitzen werden, würden vor Ort von Mitarbeitern betreut, versicherte der Sprecher.
Andere Fluglinien wittern bereits ein gutes Geschäft und die Bahn bringt alle Züge auf die Schiene. Die Chancen, den Streik noch abzuwenden, schwinden angesichts der festgefahrenen Positionen zwischen den Tarifparteien.
Wegen der Arbeitsniederlegung streicht die Lufthansa am Freitag zwei Drittel ihrer Verbindungen. Von den eigentlich an dem Tag geplanten etwa 1800 Flügen dürften wohl 1200 entfallen, sagte ein Konzernsprecher. Sicher abheben sollten die Flüge von Lufthansa-Töchtern wie Germanwings - dort wird nicht gestreikt. Zudem versuche die Fluggesellschaft, noch so viele eigene Flüge wie möglich in die Luft zu bringen. Ab Frankfurt und München sollten etwa jeweils ein Dutzend Langstreckenmaschinen starten. Zudem werden Kunden bei den Konzern-Airlines Austrian und Swiss oder auch anderen Fluggesellschaften untergebracht. "Die Kosten dafür übernehmen wir", betonte der Lufthansa-Sprecher.
Als Teil der Vorbereitungen fallen bereits am Donnerstag knapp 50 Flüge aus. Ein Großteil davon betrifft die besonders lukrativen Langstrecken, bei denen die Flugzeuge bereits am Donnerstag in Übersee abfliegen und am Freitag Deutschland erreichen sollten. Das hätte zwar noch geklappt, doch will die Lufthansa vermeiden, dass die Passagiere in Frankfurt oder München - den beiden Drehkreuzen der Airline - festhängen.
Kaum Chancen auf Streikabwendung
Die Chancen, den dritten Streik binnen einer Woche noch in letzter Minute abzuwenden, sind Experten zufolge gering. Sowohl die Gewerkschaft Ufo als auch die Lufthansa hatten vor dem Arbeitskampf bereits über ein Jahr miteinander um einen neuen Tarifvertrag gerungen. Die Lufthansa bot am Mittwoch noch eine Schlichtung an, allerdings nur unter eng definierten Bedingungen. Diese Auflagen hatte die Gewerkschaft vorher stets zurückgewiesen. Auch auf das jüngste Gesprächsangebot der Lufthansa reagierte Ufo-Chef Baublies zurückhaltend. "Wenn die Lufthansa eine Schlichtung anrufen möchte, um diesen Konflikt abzuwenden, dann sind wir gesprächsbereit, das haben wir immer signalisiert", sagte er Reuters TV. Allerdings herrsche zwischen Airline und Ufo derzeit Funkstille. "Wir haben bisher wirklich die letzten acht Tage keinerlei Anrufe bekommen, weder zu diesem Thema noch zu anderen Deeskalationsmöglichkeiten."