Frankfurt. Nach dem bisher größten Streik der Lufthansa - Flugbegleiter streben Unternehmen und Gewerkschaft nun eine Schlichtung des Tarifkonflikts an. Passagiere der Lufthansa müssten vorerst keine Flugausfälle durch Streiks mehr befürchten, kündigten die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und das Unternehmen am Freitagabend an. Vom Samstag an herrsche bis zur Annahme oder Ablehnung eines Schlichtungsspruchs Friedenspflicht. Zuvor hatte die Lufthansa eine Kernforderung der Gewerkschaft erfüllt: Das Unternehmen will keine geringer entlohnten Leiharbeiter mehr auf seinen Berlin-Flügen einsetzen und diesen Beschäftigten Übernahmeangebote unterbreiten. "Das war das richtige Signal", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies nach einem Sondierungsgespräch mit Lufthansa-Passagevorstand Peter Gerber.
Der Freitag war der dritte und bisher umfassendste Streiktag der Flugbegleiter der Lufthansa. Das Unternehmen musste etwa die Hälfte der planmäßig 1800 Flüge streichen. Über 100.000 Passagiere waren von dem Ausstand betroffen, zu dem Ufo bei der Lufthansa erstmals bundesweit und ganztags aufgerufen hatte. Am Samstag werde der Flugbetrieb jedoch wieder annähernd normal laufen, sagte ein Lufthansa-Sprecher.
Die Gewerkschaft fordert neben ihrem Kampf gegen die Auslagerung von Stellen Gehaltserhöhungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten. Die Lufthansa hat dagegen eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten.
Schlichtung bis Mittwoch
Nach Angaben der Lufthansa wollen die Tarifparteien bis zum kommenden Mittwoch ein vollständiges Schlichtungsabkommen unterzeichnen und sich "möglichst bis Ende kommender Woche" auf einen Schlichter verständigen. Baublies zufolge wollen beide Seiten einander bis Dienstag Vorschläge für einen Schlichter machen. Die Lufthansa erklärte, Gegenstand des Verfahrens seien ausschließlich Gehaltsfragen. Themen, die in einem Schlichtungsverfahren nicht geregelt werden könnten, sollten in parallelen Gesprächen gelöst werden
"Lufthansa verzichtet einseitig, auf absehbare Zeit und ohne weitere Vorbedingungen auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin", erklärte Konzernchef Christoph Franz. Die Gewerkschaft hatte zuvor darauf gepocht, über alle strittigen Themen wie etwa den Einsatz von Leiharbeitern zu verhandeln. Die Lufthansa hatte hingegen erklärt, dass nur über die Löhne gesprochen werden könne.