• vom 12.09.2012, 19:44 Uhr

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Hochwirksame Beruhigungspille für die Märkte



  • Börsen bejubeln das Urteil - Euro zum Dollar so hoch wie zuletzt im Mai.

Bewegte Börse: Eine Händlerin folgt der Urteilsverkündigung, im Hintergrund zeigt die Kurstafel die Sprünge des Leitindex DAX.

Bewegte Börse: Eine Händlerin folgt der Urteilsverkündigung, im Hintergrund zeigt die Kurstafel die Sprünge des Leitindex DAX.© EPA Bewegte Börse: Eine Händlerin folgt der Urteilsverkündigung, im Hintergrund zeigt die Kurstafel die Sprünge des Leitindex DAX.© EPA

Karlsruhe/Frankfurt. (hes) Fast 13 Minuten mussten sich die Börsenhändler gedulden, bis Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle auf den Punkt kam. So lange dauerte das Vorgeplänkel und Vorlesen der anwesenden Beschwerdeführer. Als dann endlich "im Namen des Volkes" die Worte "werden die Anträge abgelehnt" fielen, schoss der Frankfurter Börsenindex DAX binnen weniger Minuten von 7330 auf 7405 Punkte in die Höhe (siehe Bild). Im Tagesverlauf wurden die Gewinne aber wieder abgegeben: Die Märkte hatten ein solches Urteil seit Tagen erwartet und bereits "eingepreist".

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Erleichterung auf allen Ebenen: So lässt sich die Reaktion am einfachsten zusammenfassen. Denn seit Mittwoch ist endgültig klar: Europas zentrales Antikriseninstrument steht. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann wie geplant in Kraft treten und verliert keine wesentlichen Kompetenzen. Zusammen mit den notfalls unbegrenzten Anleihenkäufen, welche die Europäische Zentralbank angekündigt hat, steht eine mächtige Feuermauer. "Die unmittelbaren Gefahren für den Zusammenhalt der Währungsunion dürften damit bis auf Weiteres beseitigt sein", kommentierte Jens-Oliver Niklasch, Ökonom der deutschen LBBW.

Anleihenzinsen sinken stark
Das grüne Licht aus Karlsruhe verlieh auch dem Euro Schwung. Die Gemeinschaftswährung kletterte im Tageshoch um fast einen US-Cent auf 1,2937 Dollar - und notierte so hoch wie seit Mitte Mai nicht. Allerdings half auch die Schwächung des US-Dollars: Donnerstagabend könnte die US-Notenbank eine weitere Lockerung der Geldpolitik und womöglich sogar dritte Runde an Anleihenkäufen ankündigen - beides schwächt den "Greenback".

"Die Eurozone hat eine weitere Hürde genommen - langsam, aber sicher wird die Region stabiler, weniger risikoreich", kommentierte David Thebault vom Finanzdienstleister Global Equities in Paris: "Das einzig große Problem, das wir jetzt noch haben, ist Spanien. Aber der Mechanismus, um die Probleme des Landes anzugehen, nimmt Gestalt an."

Spanien gilt momentan als heikelster Wackelkandidat der Eurozone - allgemein wird erwartet, dass die Iberer sich schon in wenigen Tagen oder Wochen um eine vorsorgliche Kreditlinie des Eurorettungsschirms bemühen werden. Das wäre die Voraussetzung, damit die EZB Spaniens Finanzminister mit Anleihenkäufen das Leben erleichtern kann.

Dank der EZB-Ankündigung und ESM-Entscheidung ist der Druck auf Madrid aber schon jetzt gesunken. Die wichtigste Fieberkurve der Staatsschuldenkrise ist nämlich deutlich zurückgegangen - die Renditen für Anleihen der Euro-Problemländer. Von diesen hängt ab, wie hoch die Zinskosten für die staatliche Kreditaufnahme ausfallen - und ob diese auf Dauer leistbar bleibt.

Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen sank am Mittwoch unter 5,61 Prozent - sie lag vor einer Woche noch bei fast 6,8 Prozent. Auch Italien konnte sich so günstig wie seit März nicht mehr verschulden. Da riskantere Investments stärker gefragt wurden, schwächte sich die Zuflucht in die "sicheren Häfen" ab. Deutsche Bundesanleihen müssen ihren Anlegern damit etwas höhere Zinsen versprechen - ein Zeichen der Normalisierung.

Deutsche Bedenkenträger
Dennoch gibt es auch besorgte Stimmen - fast ausschließlich aus Deutschland: "Damit bietet sich jetzt keine Chance mehr für die Politik, aus dem Schulden-Strudel auszusteigen", befürchtet Hans-Peter Burghof, Bankenexperte der Universität Hohenheim. Er halte die Karlsruhe-Entscheidung ökonomisch für falsch: "Mit dem ESM kann weiteres Kapital in die Staatshaushalte unserer südeuropäischen Nachbarn gepumpt werden. Damit vergemeinschaften sich die Schulden - und der deutsche Steuerzahler haftet mit.



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Dokument erstellt am 2012-09-12 19:51:13


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