London. (hdt/reu) In der Luftfahrt- und Rüstungsbranche bahnt sich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an: Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein britischer Wettbewerber BAE Systems verhandeln über eine Fusion. "Die mögliche Verschmelzung würde einen weltweit führenden internationalen Konzern in den Bereichen der Luft- und Raumfahrt, Rüstung und Sicherheit mit wesentlichen Produktions- und Technologiekapazitäten in Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und den USA schaffen", gaben beide Unternehmen am Mittwoch in getrennten Pressemitteilungen nach Börsenschluss bekannt. Schon am Nachmittag hatten entsprechende Gerüchte an der Londoner Börse die BAE-Aktien um elf Prozent nach oben getrieben.
EADS und BAE Systems arbeiten bereits seit längerer Zeit zusammen und sind derzeit Partner in einer Reihe von Projekten wie dem - auch vom österreichischen Bundesheer angekauften - Kampfflugzeug Eurofighter.
Beide Unternehmen sollen bei einer Fusion als eine Gruppe agieren, aber an der Börse getrennt geführt werden. Sollte es zu einer Transaktion kommen, würden die BAE-Aktionäre mit 40 Prozent und die EADS-Aktionäre mit 60 Prozent an dem neuen Konzern beteiligt. BAE Systems ist nach Reuters-Berechnungen derzeit 13,4 Milliarden Euro an der Börse wert, EADS 23,2 Milliarden Euro. Zusammen kommen die beiden Konzerne damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 36,6 Milliarden Euro. Auf Basis der Zahlen vom vergangenen Jahr hätten die beiden Unternehmen zusammengerechnet 220.000 Mitarbeiter weltweit und würden einen Umsatz von rund 72 Milliarden Euro erwirtschaften - und damit den US-Rivalen Boeing deutlich übertreffen.
Schrumpfende Rüstungsetats
BAE Systems stellt Tornado-Kampfjets her und ist Mitglied des Eurofighter-Konsortiums. Der Konzern macht 47 Prozent seines Umsatzes in den USA und 29 Prozent in Großbritannien. Wegen der vielerorts zusammengestrichenen Wehretats hatte das Unternehmen im Frühjahr ein schwaches Jahr in Aussicht gestellt. Auch EADS-Konzernchef Thomas Enders hatte erst kürzlich Sorgen wegen der teils massiven Bestellungskürzungen der deutschen Bundesregierung bei Kampfjets und Hubschraubern artikuliert. EADS entstand im Juli 2000 aus einer Fusion der deutschen DASA, der französischen Aerospatiale-Matra und der spanischen CASA. EADS ist die Muttergesellschaft des Flugzeugbauers Airbus.
In der EADS-Erklärung wird darauf hingewiesen, dass der EADS-Verwaltungsrat noch zustimmen muss. Frankreich und Deutschland haben stets eine Machtbalance im Aktionärskreis von EADS aufrechterhalten, wobei der französische Staat direkt an EADS beteiligt ist, auf der deutschen Seite hat Daimler den maßgeblichen Einfluss.
Daimler will weiter verkaufen
Die seit Monaten laufenden Gespräche mit der Regierung in Berlin über einen Verkauf des halben Daimler-EADS Pakets - 7,5 der derzeit 15 Prozent - an die staatliche deutsche Förderbank KfW gehen weiter und könnten noch heuer abgeschlossen werden, hieß es auch nach der Ankündigung der Fusionsgespräche mit BAE
Die deutsche Bundesregierung betrachtet die Luft- und Raumfahrt - und damit EADS und Airbus - als strategische Bereiche, in denen das Land auch aus Gründen der Innovationskraft dieser Branche jedenfalls als Aktionär präsent bleiben möchte.