"Wiener Zeitung": Ihr Buch zeigt, dass Osteuropa - und damit letztlich Österreich - 2009 um Haaresbreite an einer finanziellen Kernschmelze vorbeigeschrammt ist. Wie konnte der Crash vermieden werden?
Bas Bakker: Dazu haben drei Faktoren beigetragen: Die Regierungen in Osteuropa haben starke Maßnahmen ergriffen, um den Bankensektor zu stabilisieren und Ungleichgewichte in ihrem Finanzhaushalt zu bereinigen. Zudem gab es große internationale Unterstützung vonseiten des Internationalen Währungsfonds und der EU. Und drittens sind die Banken im Rahmen der "Vienna Initiative" übereingekommen, die Region nicht im Stich zu lassen. Es gab deshalb nur einen Stopp bei den Kapitalzuflüssen, aber keine großen Abflüsse.
Es wurden gewaltige Geldbeträge bereitgestellt – alleine von IWF und Weltbank mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Welche Rolle hat diese Finanzierung gespielt? Hat das Österreich indirekt mitgerettet?
Bas Bakker: Das Bedrohungspotenzial für österreichische Banken in der Region liegt in Summe bei ungefähr 70 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Hätte es eine Kernschmelze in Osteuropas Bankensektor gegeben, wäre Österreich davon getroffen worden. Diese Pakete haben also klarerweise auch Österreich geholfen. In Europa gibt es eben enge Verbindungen zwischen Ost und West, deshalb haben alle Länder ein Interesse, einander zu helfen: Geht eines unter, trifft das viele andere auch.
Christoph Klingen: Man muss ergänzen, dass es ausgereicht hat, die 125 Milliarden US-Dollar, die hauptsächlich vom IWF und der EU, aber auch der Weltbank stammen, bereit zu stellen. Sie mussten gar nicht zur Gänze abgerufen werden.
War das eine der Lehren: Dass es rasch möglichst große Hilfspakete braucht –auch in der Eurokrise?
Bas Bakker: Verglichen mit früheren Krisen waren diese Finanzierungspakete viel größer, zeitlich vorgezogen und mit weniger strikten und rein makroökonomischen Auflagen verbunden. Die Überlegung ist: Wenn man genügend Geld hineinsteckt, wird man es nicht benötigen. Steckt man zu wenig hinein, reicht es am Ende zur Beruhigung der Märkte nicht aus – und man braucht mehr.