• vom 19.09.2012, 18:34 Uhr

International

Update: 19.09.2012, 20:02 Uhr
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Bank of Japan pumpt mehr Geld in die Wirtschaft, um Deflation abzuwenden

Kein Vorbild, aber äußerst lehrreich


Von Hermann Sileitsch

  • "Japanische Verhältnisse" sind ein Bedrohungsszenario - für viele Staaten.

Die Bank of Japan pumpt Geld in die Wirtschaft. - (c) AP

Die Bank of Japan pumpt Geld in die Wirtschaft. (c) AP

Tokio. Jetzt haben alle großen Zentralbanken zurück in den Krisenmodus geschaltet: Nach der EZB, der US-Notenbank Fed und der Bank of England wirft auch die Bank of Japan (BoJ) abermals virtuelle Gelddruckmaschinen an: Die Anleihenkäufe werden um zehn Billionen Yen (98 Milliarden Euro) aufgestockt. Der Schritt war erwartet worden, fiel aber überraschend stark aus. Insgesamt wird die BoJ seit Krisenbeginn auf diesem Weg 80 Billionen Yen (780 Milliarden Euro) locker gemacht haben. Der prompte Börsenjubel verhallte erstaunlich rasch, lediglich der Goldpreis wurde auf ein Sechsmonatshoch getrieben.

Ob die Geldpolitik ihr Ziel erreicht, das Wachstum anzukurbeln, halten Börsianer für alles andere als sicher: "Auf den ersten Blick sind die Anleihenkäufe natürlich eine Stützungsmaßnahme für die Konjunktur", sagte ein Händler in Frankfurt. "Wir haben zuletzt allerdings alle paar Tage Eingriffe der Notenbanken gesehen. Man darf nicht übersehen, dass wir uns mitten in einem Abwertungswettlauf befinden." Schicken die Zentralbanker mehr Geld in Umlauf, drückt das an sich den Wechselkurs einer Währung. Für Japans Exportwirtschaft, die unter einem hohen Yen-Kurs leidet, wäre das höchst wünschenswert. Der Effekt verpufft jedoch, wenn das alle zeitgleich tun: Die Weltwährungen Dollar, Euro, Yen bleiben dann relativ zueinander gleich bewertet.

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Verschuldung nur im Inland
Der Eingriff der Japaner demonstriert auch Sorgen, dass die Volkswirtschaft in einen Status zurückfallen könnte, der als "verlorene Jahrzehnte" bezeichnet wird: Japan war ab 1990 in einer gefährlichen Deflationsspirale gefangen, die das Wachstum abwürgte (siehe Grafiken). Dauerhaft sinkende Preise führten dazu, dass Käufe und Investitionen aufgeschoben wurden. Zwei Jahrzehnte lang stagnierte die nominelle Wirtschaftsleistung. Im Sommer zeichnete sich nun endlich ein Ende ab, die Katastrophe von Fukushima schien wirtschaftlich überwunden, für 2012 und 2013 zeichneten sich solide Zuwachsraten ab. Das steht jetzt auf dem Spiel- nicht zuletzt aufgrund des Inselstreits mit China, wegen dem japanische Konzerne Hunderte Geschäfte und Produktionsanlagen in der Volksrepublik vorübergehend stilllegen mussten.

Obendrein knabbert Korea an der Führungsrolle der Japaner: In der Elektronikindustrie haben Samsung und LG ihren Kontrahenten Sony, Sharp und Panasonic bereits Wasser abgegraben. Auch bei den Autobauern gehört Hyundai-Kia zu den am schnellsten wachsenden Konzernen.


© WZ-Grafik, Moritz Ziegler, Quelle: OECD, Foto: Corbis © WZ-Grafik, Moritz Ziegler, Quelle: OECD, Foto: Corbis

Die "japanischen Verhältnisse" werden weltweit genau beobachtet - Ökonomen befürchten, ähnliches könnte nach der Krise vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften blühen. Sie müssten sich auf Zeiten ohne Wachstum einstellen. In solchen Phasen gerät nicht nur die Zentralbankpolitik an ihre Grenzen. Das einzige, was in Japan kontinuierlich gestiegen ist, waren die Staatsschulden. Die Arbeitslosigkeit wurde zwar verhältnismäßig moderat gehalten. Der Preis dafür: Die Verschuldung kletterte auf den Weltrekord von mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Leisten kann sich das der Staat, weil er sich fast ausschließlich bei der eigenen Bevölkerung verschuldet. Ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell ist das aber nicht: Irgendwann stößt diese Kreditaufnahme an Grenzen - einige Euroländer, die von ausländischen Geldgebern abhängig waren, mussten das bereits schmerzlich erfahren.




Schlagwörter

Deflation, Bank of Japan, Yen, Japan

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-19 18:41:08
Letzte Änderung am 2012-09-19 20:02:37


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