Washington. (hes) Sie werde oft gefragt, ob der Finanzsektor sicherer ist als vor fünf Jahren, sagt Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde. Ihre Antwort: "Trotz aller Fortschritte - nicht wirklich."
Das zeigt der Finanzstabilitätsbericht, den der IWF am Dienstag veröffentlichte: Wichtige regulatorische Reformen seien begonnen, aber längst nicht beendet. Teils liege das daran, dass Maßnahmen im Kampf gegen die Krise nötig seien, die einen Neustart des Systems im abgesicherten Modus verhindern.
Das Finanzsystem sei noch verwundbar, zu komplex, und zu sehr auf große Institute konzentriert. Die Banken seien stark auf kurzfristige Refinanzierungen abseits von Spareinlagen angewiesen, die Ansteckungsgefahren hoch - und komplexe Finanzprodukte kehrten in neuer Gestalt zurück.
Auf der Habenseite sehen die IWF-Experten die strengeren Kapital- und Liquiditätsvorschriften, die "Basel III" für Banken bringt. Der IWF regt jedoch eine Debatte an, ob nicht manche Geschäftsfelder direkt beschnitten werden sollten. Wenn von Banken verlangt werde, dafür zu viel Kapital zurückzustellen, leide darunter nämlich die Kreditvergabe und somit das Wachstum. Positiv sei der transparentere Derivatehandel, also von Papieren, deren Kurs von anderen Basiswerten abgeleitet ist.
Schon jetzt würden freilich Produkte eigens entwickelt, um neue Vorschriften zu umgehen. Deshalb sei es höchst wichtig, "Schattenbanken", bis dato kaum regulierte Handelsbereiche, zu kontrollieren und Regeln für die grenzüberschreitende Abwicklung von kriselnden Instituten zu entwickeln.
Gefahren birgt laut IWF auch die lockere Geldpolitik: "Im Moment ist das niedrige Zinsniveau entscheidend, es könnte aber neue Schwachstellen schaffen", warnt Chefanalystin Laura Kodres.