• vom 26.09.2012, 14:16 Uhr

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Update: 26.09.2012, 14:19 Uhr
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Schließung des Versandhändlers wohl besiegelt

Neckermann ist Geschichte



  • 2000 Beschäftigte wurden über ihre Entlassung informiert.

Das Kapitel Neckermann ist zu Ende - oder doch nicht? - APAweb/dapd

Das Kapitel Neckermann ist zu Ende - oder doch nicht? APAweb/dapd

Düsseldorf. Mehr als 60 Jahre nach der Firmengründung ist das Schicksal des insolventen Versandhändlers Neckermann so gut wie besiegelt. Der Traditionskonzern mit rund 2000 Beschäftigten werde zum 1. Oktober abgewickelt, teilten das Unternehmen und der Insolvenzverwalter am Mittwoch mit. Die Mitarbeiter seien am Morgen über ihre Entlassung informiert worden. Zuvor seien die Gespräche mit potenziellen Investoren gescheitert. Mit einem werde zwar noch verhandelt, aus rechtlichen Gründen werde aber die Schließung des Betriebs vorbereitet, der einst zu den führenden Versandhäusern Europas gehörte.

Um wen es sich bei dem verbliebenen Interessenten handelt, wollte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne nicht sagen. Er lasse aber nichts unversucht. "Bis zum Schluss kämpfen und hoffen wir - besonders für die Mitarbeiter." Die finanzielle Situation der betroffenen Firmen neckermann.de, Neckermann Logistik und Neckermann.Contact Heideloh habe sich jedoch weiter verschlechtert. "Der bei der Insolvenzanmeldung Mitte Juli dieses Jahres sich abzeichnende Liquiditätskollaps verstärkte sich binnen der letzten 3 Monate noch." In den vergangenen Tagen habe es noch intensive Verhandlungen mit einem Konsortium von Investoren gegeben, die sich aber nicht zu einem Investment entschließen konnten und am Dienstag zurückzogen.

Internet machte Strich durch die Rechnung

Bereits vor zwei Wochen zeichnete sich das Aus ab. Die Insolvenzverwalter aus der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle werfen dem Management unter dem bisherigen Eigentümer, dem Finanzinvestor Sun Capital, indirekt Geldverschwendung vor. Die Interessenten hätten vor allem moniert, dass über einen langen Zeitraum hinweg nicht kostenbewusst gewirtschaftet worden sei. Überall seien sie bei ihrer Prüfung auf die sichtbar schlimmen Folgen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gestoßen. Die Kanzlei hatte nach eigenen Angaben mehr als 200 Interessenten angesprochen. 50 hätten Neckermann auf Herz und Nieren geprüft.

Sun Capital hatte 2008 die Mehrheit an dem Unternehmen übernommen. Der US-Finanzinvestor drehte im Juli den Geldhahn zu, nachdem er nach eigenen Angaben 200 Millionen Euro investiert hatte. Nicht von der Insolvenz betroffen ist der Touristik-Anbieter Neckermann Reisen, der seit längerem zu Thomas Cook gehört.

Neckermann hatte mit seinem Kataloggeschäft und dem berühmten Slogan "Neckermann macht's möglich" über Jahrzehnte den Versandhandel in Deutschland geprägt. Zu spät hatte der Konzern aber auf das boomende Internetgeschäft gesetzt. Der Handelskonzern Arcandor hatte die Mehrheit an dem 1950 von Josef Neckermann gegründeten Unternehmen schon vor der eigenen Pleite verkauft. Doch auch nach der symbolträchtigen Umbenennung in Neckermann.de schaffte es die Firma nicht, mit der neuen Konkurrenz aus dem Internet Schritt zu halten. Amazon & Co gruben den klassischen Versandhändlern wie Neckermann und Quelle das Wasser ab. Von den drei im Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit groß gewordenen Versandhändlern ist nur noch Otto übrig.




Schlagwörter

Neckermann, Insolvenz

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-26 14:18:07
Letzte Änderung am 2012-09-26 14:19:09


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