Berlin/Paris/London. Die geplante Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems droht am Streit um politischen Einfluss im neuen Konzern zu scheitern. Bei EADS gab es bisher eine sorgsam austarierte Machtbalance zwischen Berlin und Paris. Deutschland möchte diese im fusionierten Unternehmen unbedingt aufrechterhalten: Diese Position vertreten Bundeskanzleramt und Wirtschaftsministerium in einem Forderungskatalog, der Paris übermittelt wurde. Wie diese Balance hergestellt werden kann, ist allerdings noch unklar.
Laut Verhandlungskreisen sollen mehrere Modelle im Gespräch sein: Halte Frankreich an seinem 15-prozentigen Anteil an EADS fest, könnte Deutschland ein gleichgroßes Aktienpaket kaufen - etwa vom EADS-Aktionär Daimler. Das würde beiden Seiten im Fusionsunternehmen eine Beteiligung von rund neun Prozent sichern.
Laut Reuters kam auch zur Sprache, dass die Regierungen jeweils 22,5 Prozent an EADS erwerben könnten - womit sich der Anteil am neuen Unternehmen auf 13,5 Prozent beliefe. Damit kämen Deutschland und Frankreich zusammen auf die Sperrminorität von 27 Prozent. Dagegen dürfte sich aber die britische Regierung sperren, hieß es. Von solchen Ideen hatte auch "Financial Times Deutschland" berichtet.
Berlin geht es auch um die Wahrung nationaler Sicherheitsinteressen - bei Rüstungstechnologie dürfe es keine Abhängigkeit von anderen Ländern geben. Nach britischem Aktienrecht läuft eine Frist bis 10. Oktober, damit Klarheit über das Gelingen der Fusion herrscht. Allerdings kann diese Frist verlängert werden.