Madrid/Rom/Athen. (reu/dpa/ hes) Dürre hat Spanien gerade noch gefehlt: Die Oliven-Hochburg Andalusien leidet unter extremer Trockenheit. "Ein Olivenbaum ist wie ein Kamel", beschreibt Francisco Nuñez de Prado: "Er braucht nicht oft Wasser; aber wenn, dann ordentlich." Der Olivenbauer befürchtet, diese "Dürre von biblischen Dimensionen" könnte seine Ernte halbieren. Seit dem Hungerjahr 1945 sei es nicht so schlimm gewesen, einige Kollegen ohne Bewässerungssystem hätten kein einziges grünes Blatt am Baum.
Durst haben auch Spaniens Banken; einige sitzen auf dem Trockenen. Maximal 100 Milliarden Euro aus dem Eurorettungsschirm EFSF hatten die Euroländer im Juni als Kapitalhilfe zugesagt. Das wird reichen: Unter einem Stressszenario beträgt die Kapitallücke maximal 59,3 Milliarden Euro, wie ein Stresstest von 14 der größten Banken ergab, den das US-Prüfunternehmen Oliver Wyman am Freitag nach Börsenschluss veröffentlichte. Sieben Banken brauchen keine Hilfe, dafür hat die notverstaatlichte Bankia eine Kapitallücke von 24,7 Milliarden. Das Finanzministerium in Madrid wies darauf hin, dass die Kapitallücken nicht mit den tatsächlich benötigten Staatshilfen gleichgesetzt werden dürften - diese könnten viel geringer ausfallen, weil einige Banken noch umstrukturiert werden. Die Finanzmärkte reagierten gelassen auf den Stresstest - er lag im Rahmen der Erwartungen.
Zweifel an Madrids Budget
Spanien stehen jedenfalls dürre Jahre bevor. Trotz des am Donnerstag vorgestellten Sparbudgets, mit dem Premier Mariano Rajoy 30 Milliarden Euro eintreiben will, bleiben Zweifel, ob die Defizitziele erreicht werden. Rajoy setzt primär auf Ausgabenkürzungen, plant aber mit 3,8 Prozent Plus bei den Steuereinnahmen - trotz der tiefen Rezession. Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel wollte am Freitag nicht spekulieren, ob die Pläne und Prognosen halten werden: Die Evaluierung erfolge am 7. November. Allerdings seien mit den Spar- und Reformplänen einige Anforderungen, die Brüssel mit seinem Defizitverfahren und dem Memorandum im Gegenzug für die Bankenhilfe an Madrid gestellt hatte, übertroffen worden.
Wenn das spanische Parlament die Pläne absegnet, könnte Madrid also die Anforderungen erfüllen, die für Euro-Hilfen nötig sind, und müsste keine weiteren Auflagen fürchten. Auf den Märkten wird erwartet, dass Madrid nun bald den Antrag für vorsorgliche Hilfen aus dem Rettungsschirm stellt. Dieser wäre die Voraussetzung, damit die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen kaufen kann.