Zürich. Die Megafusion am Rohstoffmarkt rückt in greifbare Nähe: Die beiden Schweizer Rohstoffriesen Glencore und Xsatra einigten sich nach mehrmonatigen Verhandlungen über die Bedingungen für den Zusammenschluss, der einen neuen Giganten mit einem Börsenwert von rund 90 Milliarden Dollar und insgesamt knapp 130.000 Mitarbeitern aus der Taufe heben soll. Xstrata-Aktionären, die sich lange quergelegt hatten, wird für ihre Anteilsscheine ein Umtauschverhältnis von 3,05 angeboten. Der Verwaltungsrat legt ihnen nahe, zuzustimmen.
Geben die Anteilseigner grünes Licht, soll der Deal im Umfang von mehr als 30 Mrd. US-Dollar bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein. Der entstehende Riese würde von der Förderung über die Verarbeitung, Lagerung und Transport bis hin zu Vermarktung und Verkauf sämtliche Geschäftsbereiche am Rohstoffmarkt in einer Hand vereinen.
Bedienen der Nachfrage aus China
Die strategischen Vorteile einer Fusion seien nach wie vor überzeugend und die Transaktion habe das Potenzial, "Wert für die Xstrata-Aktionäre zu generieren", erklärten beide Konzerne, die ihre Hauptsitze im steuergünstigen schweizerischen Kanton Zug haben. Damit wollen sie sich für absehbar wachsende Rohstoffnachfrage durch China und andere Schwellenländern aufstellen und daran verdienen.
Die Aktionäre hatten eigentlich schon Anfang September abstimmen sollen. Einflussreiche Anteilseigner von Xstrata - angeführt vom staatlichen Fonds Qatar Holding - hatten aber Widerstand geleistet und bessere Konditionen verlangt. Sie setzten sich durch: Für jeden Anteilsschein bekommen die Xstrata-Aktionäre nun 3,05 Anteile von Glencore. Bei Ankündigung der Fusion im Februar waren noch 2,8 Glencore-Anteile vereinbart gewesen.
Bonuszahlungen als Zankapfel
Über einen weiteren Streitpunkt müssen die Aktionäre nun abstimmen: die üppigen Bonuszahlungen für zahlreiche Xstrata-Manager, die damit zum Bleiben bewegt werden sollen. Xstrata und Glencore warben am Montag noch einmal um Zustimmung. Ohne diese Manager, die das fusionierte Unternehmen führen sollen, sei dessen Wert "gefährdet". Xstrata-Chef Mick Davis soll den neuen Konzern sechs Monate lang führen, dann soll ihm Glencore-Chef Ivan Glasenberg folgen. Ein Xstrata-Manager soll Verwaltungsrat-Chef werden.
Xstrata und Glencore hatten die Fusion im Februar angekündigt. Die Verhandlungen hatten bereits im Jahr 2006 begonnen. Glencore gilt als größter Rohstoffhändler der Welt. Im Mai 2011 war das Unternehmen in London und Hongkong an die Börse gegangen und hatte damit zehn Mrd. Dollar kassiert.
In der Bergbaubranche wäre der neue Konzern die Nummer vier weltweit. Noch größer sind der britisch-australische Konzern BHP Billiton, Vale aus Brasilien und der ebenfalls britisch-australische Konzern Rio Tinto. Der Fusion von Glencore und Xstrata müssen auch die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen.