Paris. Der Verhandlungspoker um eine Fusion der Airbus-Mutter EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems geht wohl in die Verlängerung. Im Streit um den künftigen politischen Einfluss auf den Mega-Konzern konnten die Regierungen in Paris, Berlin und London noch keine gemeinsame Linie finden, wie am Freitagabend aus französischen Regierungskreisen verlautete.
Nach den Worten von Präsident François Hollande sind der zukünftige Kapitalanteil, die Standorte und die Sicherung der Rüstungsindustrie für das Projekt entscheidend. Zu konkreten Einzelforderungen sagte der Präsident aber nichts. Es liege nun an den Unternehmen, ihre Verhandlungen im Wissen um die französische Position fortzusetzen.
Die Gespräche zwischen den drei Staaten werden fortgesetzt. Aus Frankreich verlautet, dass es wohl nicht mehr zu einer Einigung vor der bisher gesetzten Frist vom 10. Oktober kommen wird. Vielmehr sei eine Verlängerung der Deadline um 28 Tage wahrscheinlich.
Zentrales Problem bei den Verhandlungen sind unterschiedliche Vorstellungen über die künftigen Staatsanteile an dem neuen Konzern. Die Regierung in London habe zwar grundsätzlich nichts dagegen, dass Frankreich an dem fusionierten Unternehmen künftig bis zu zehn Prozent halten werde. Dies gelte aber nur unter der Bedingung, dass Frankreich keine weiteren EADS-Anteile vom französischen Medienkonzern Lagardere übernehme und damit seinen Gesamtanteil auf über zehn Prozent erhöhe. Auf diese Option wolle Frankreich aber weiterhin nicht verzichten, hieß es aus Pariser . Zudem halte die Regierung in London weiterhin an ihrem Veto gegen eine deutsche Staatsbeteiligung am künftigen Konzern fest.
EADS und BAE hatten ihre Fusionspläne am 12. September veröffentlicht. Durch den Zusammenschluss soll ein neuer weltweiter Branchenprimus in der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie entstehen mit 72 Milliarden Euro Umsatz und 220.000 Beschäftigten.