Nikosia/Madrid. Zypern Staatszinsen geraten weiter massiv unter Druck. Moody’s stufte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes am Montag (Ortszeit) auf B3 von Ba3 herab - mit B3 gelten die Anleihen als hochspekulative Papiere. Die US-Ratingagentur begründete die Herabstufung mit Problemen im Bankensektor der Mittelmeerinsel. Diese würden die Wachstumspotenziale verschlechtern, so Moody’s. Standard & Poor’s sowie Fitch stufen Zypern mit BB beziehungsweise BB+ leicht höher ein.
Wegen der mit der Herabstufung verbundenen Verteuerung der Staatszinsen erhöht sich der Druck auf das derzeitige EU-Vorsitzland, beim Euro-Rettungsschirm möglichst rasch einen Hilfsantrag zu stellen. Der zypriotische Finanzminister und EU-Ratspräsident Vassos Shiarly spricht von einem Bedarf von 15,5 Milliarden Euro für die Refinanzierung der maroden Banken und der Staatsschulden in seinem Land.
Allerdings wollen die Euro-Länder die Anträge der vier potenziellen Kandidaten - neben Zypern sind Spanien, Griechenland und Slowenien im Gespräch - gebündelt entscheiden, wie Shiarly gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" einräumt; das letzte Wort habe Berlin. Mit grünem Licht ist laut dem EU-Ratspräsidenten jedenfalls nicht vor November zu rechnen. Zumal die vier unter Druck geratenen Euro-Staaten bislang "ihre Vorbereitungen nicht abgeschlossen" hätten, wie Schiarly betonte. Am 12. November tagen erneut die EU-Finanzminister.
Bis dahin muss sich auch Spanien mit Finanzhilfe aus dem am Montag in Kraft getretenen neuen EU-Rettungsfonds ESM gedulden. Wie hoch die Summe sein wird, die Madrid benötigen dürfte, sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker beim Ecofin-Treffen nicht. Spaniens Anleihezinsen rutschten jedenfalls am Dienstag wieder über 6-Prozent-Marke.