Ingolstadt. (hdt/reu) Auch der deutsche Premiumautobauer Audi - jahrelang die Ertrags- und Wachstumsperle des Volkswagen-Konzerns und auch heuer auf Kurs zu neuen Verkaufsrekorden - spürt durch die immer größer werdende Auto-Absatzkrise in Europa stark auffrischenden Gegenwind. Nachdem schon vergangene Woche die Bänder im Werk Neckarsulm vier Tage lang still standen - "um nicht zu viele Autos auf Halde zu produzieren", wie es hieß - droht nach Informationen aus Betriebsratskreisen der Belegschaft heuer noch ein zweiwöchiger Zwangsurlaub und danach möglicherweise Kurzarbeit in den deutschen Fabriken.
Nach drei Quartalen hatte Audi noch ein Rekordplus von fast 13 Prozent bei der Produktion auf 1,1 Millionen Stück gemeldet - statt Werksferien wurden auch im Sommer Sonderschichten gefahren, um die langen Lieferfristen zu verkürzen. Audi legte sogar im schwächelnden Heimmarkt Deutschland zu, in China - dem seit dem Vorjahr größten Markt der Ingolstädter -, den USA und Russland gab es laufend Rekorde.
Zuletzt aber wurden die Sorgenfalten auch auf der Stirn von Audi-Chef Rupert Stadler tiefer: Um bis zu zehn Prozent werde in Europa der Autoabsatz heuer sinken, prognostizierte er - damit würden in Europa so wenige Neuwagen gekauft wie vor 20 Jahren.
Und: "In absehbarer Zeit sind in Europa keine Verbesserungen zu erwarten", konstatiert VW-Konzern-Vertriebschef Christian Klingler. VW fährt die Produktion im vierten Quartal deshalb um 140.000 Autos herunter, "indem wir in den Werken einzelne Schichten herausnehmen". Den Verkaufsrekord von 2011 - mehr als 8,4 Millionen Fahrzeuge weltweit - werde man aber brechen.
Im September legten die Auslieferungen des VW-Konzerns um 6,5 Prozent zu - im Vormonat hatte es noch ein Plus von 19 Prozent gegeben. Ein Luxusproblem im Vergleich zur europäischen Konkurrenz, die nicht wie VW von glänzenden Geschäften in Asien, Nordamerika und Osteuropa profitieren kann.