Washington. (reu/klh) Der US-Hypothekenmarkt lässt die Geldhäuser jubeln - US-Großbanken verdienen wieder so viel wie vor der Krise. Sowohl Branchenprimus JP Morgan Chase als auch die Großbank Wells Fargo profitieren von der überraschend starken Erholung des Häusermarktes dank historisch niedriger Zinsen. JP Morgan strich im dritten Quartal netto 5,7 Milliarden Dollar ein, der kleinere Konkurrent 5 Milliarden Dollar. Bei JP Morgan stieg damit der Nettogewinn im Jahresvergleich um ein Drittel, teilte das Institut am Freitag mit.
Für Börsianer ist dies ein Lichtblick nach enttäuschenden Zahlen des Aluminiumkonzerns Alcoa und des Chipherstellers AMD. "Der Aktienmarkt scheint mit dem Ergebnis zufrieden zu sein", sagte Volkswirt Peter Cardillo von Rockwell Global Capital in New York zu den Zahlen von JP Morgan. "Es ist die erste große Bank, die ihre Zahlen vorlegt, und das dürfte dem Sektor durchaus einen Schub geben." Die Zwischenberichte zeigen, dass auch Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley im dritten Quartal möglicherweise wieder zulegen konnten. Deren Berichte kommen nächste Woche.
Viele US-Häuselbauer wollen aktuell ihre alten Hypotheken umschulden, um davon zu profitieren. Die Banken verkaufen die Finanzierungen an den Kapitalmarkt weiter. Sie bündeln sie in Wertpapiere, die mit Hypotheken besichert sind - ähnliche Konstrukte haben vor fünf Jahren die Finanzkrise ausgelöst. Die Investoren rennen den Instituten derzeit die Türe ein, weil die US-Notenbank (Fed) als garantierter Abnehmer der Papiere feststeht: Die Fed hat angekündigt, zur Stützung der Konjunktur pro Monat bis zu 40 Milliarden Dollar an Hypothekenpapieren aufzukaufen.
Niedrigere Kosten für die US-Steuerzahler
Fünf Jahre nach der Krise hat sich für JP Morgan das Blatt wieder gewendet. Nach der Lehman-Pleite erhielt das Institut noch Staatshilfen - wie auch andere Großbanken, etwa Goldman Sachs oder Citigroup. Sie alle nahmen das eiligst aufgelegte Rettungsprogramm Tarp (Troubled Asset Relief Program) in Anspruch. 700 Milliarden Dollar stellte die Regierung für Tarp bereit, um die Folgen der Finanzkrise zu bekämpfen, tatsächlich ausgezahlt wurden schließlich 414 Milliarden Dollar. Die Hilfsgelder flossen in Unternehmen, die ins Schlingern geraten waren - eben Banken, aber auch Versicherer wie AIG oder Automobilkonzerne wie General Motors. Seitdem treibt die USA die Frage um, wie hoch am Ende die Rechnung für den Steuerzahler sein wird.
Sie wird weniger hoch als erwartet und befürchtet, errechnete nun der Budgetausschuss des Kongresses. Er geht davon aus, dass 24 Milliarden Dollar an der Regierung hängenbleiben werden, das sind um 25 Prozent weniger als bei der letzten Schätzung. Der Hauptgrund: Der jüngst erfolgte Verkauf von AIG-Aktien brachte dem Staat mehr Gewinn als erwartet. Die Großbanken haben übrigens schon fast durchgehend die Hilfsgelder samt Zinsen zurückgezahlt.
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