Sunnyvale. Der angeschlagene Internetpionier Yahoo hat im dritten Quartal mehr verdient als erwartet. Ohne den milliardenschweren Verkauf eines Anteils an dem chinesischen Online-Händler Alibaba wies das in einer Neuausrichtung steckende US-Unternehmen am Montag einen Gewinn von 177 Millionen Dollar (135,79 Mio. Euro) aus. Der bereinigte Gewinn übertraf mit 35 Cent je Aktie die Erwartungen von Analysten, die mit 25 Cent je Papier gerechnet hatten. Der Nettoumsatz lag mit 1,09 Milliarden Dollar in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
Der einst führende Suchmaschinenbetreiber ist mittlerweile weit hinter Internet-Rivalen wie Google und Facebook zurückgefallen. Vor drei Monaten hatte überraschend die 37-jährige Google-Managerin Marissa Mayer bei Yahoo das Ruder übernommen.
Mayer sprach am Montag am Firmensitz im kalifornischen Sunnyvale von einem "soliden Quartal". Sie sieht Yahoo auf dem richtigen Weg: "Wir fühlen uns ermutigt durch die Stabilisierung unseres Geschäft bei der Internetsuche und den grafischen Werbeanzeigen."
Es war Mayers zweite Bilanzvorlage. Bei der ersten war sie gerade einmal ein paar Tage im Amt. Immerhin konnte sie nun einen stolzen Gewinn von unterm Strich 3,16 Milliarden Dollar verkünden. Das war mehr als zehnmal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Yahoo hatte die Hälfte seiner Anteile an Alibaba versilbert und zusätzlich eine gut dotierte Lizenzvereinbarung abgeschlossen.
Anleger zufrieden
Die Anleger waren zufrieden. Die Aktie stieg nachbörslich um drei Prozent. In der Vergangenheit hatte Yahoo die Erwartungen oftmals enttäuscht. Deswegen hatte der Verwaltungsrat die Vorzeigemanagerin Mayer zur Jahresmitte vom Rivalen Google abgeworben. Sie will Yahoo wieder zu einer der ersten Adressen im Internetgeschäft machen. Dazu hat sie ein Team von neuen Managern um sich gescharrt.
Mayer will im Mobilgeschäft angreifen
Mayer will bei Yahoo indes das Mobil- und Werbegeschäft umkrempeln, um im Kampf gegen davonziehende Rivalen wie Google und Facebook aufzuholen. "Das Mobilgeschäft ist eine riesige Welle zum Reiten", sagte die 37-Jährige. Die frühere Google-Managerin erklärte, sie wolle ihre Bemühungen um die "täglichen Gewohnheiten" der Nutzer wie E-Mail und Websuche konzentrieren.
Mayer betonte, oberste Aufgabe sei es, den Übergang ins mobile Zeitalter schaffen, bei dem sich auch ansonsten erfolgreiche Konkurrenten schwertun. Viele Nutzer surfen vor allem über Smartphones und Tablets. Die Internetkonzerne können dabei aber weniger für Werbung verlangen. Mayer kündigte an, enger mit dem Partner in der Internetsuche, Microsoft, zusammenzuarbeiten. Aus wachstumsschwachen internationalen Märkten werde sich der Konzern wohl zurückziehen. Vor wenigen Tagen hatte Yahoo angekündigt, die Geschäfte in Südkorea aufzugeben.