• vom 26.10.2012, 17:43 Uhr

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Update: 26.10.2012, 19:18 Uhr
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"Das Risiko zu versagen ist extrem hoch"


Von Andreas Hackl

  • Bestseller-Autor Singer über Israels Start-Ups und die Rolle des Militärs dabei.



"Wiener Zeitung": Herr Singer, in Ihrem Buch nennen Sie Israels Wirtschaftserfolg ein Wunder. Was steckt dahinter?

Information

Zur Person
Saul Singer
ist Co-Autor des Bestsellers "Start-Up Nation Israel: Was wir vom innovativsten Land der Welt lernen können" und Experte am Israelischen Demokratieinstitut (IDI).

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Saul Singer: Das hat viel mit der Geschichte Israels zu tun. Wir sprechen von einem Land, das selbst wie ein Start-Up begonnen hat, und zwar mit einer Idee. Die Art und Weise, wie aus dieser Idee letztlich der Staat Israel geschaffen wurde, ist der von Start-Ups ähnlich: Innovation und Unternehmertum. Dahinter steckt noch der Wille, unter großen Risiken ehrgeizig Ziele zu verfolgen.

Was unterscheidet ein Start-Up von sonstigen Firmengründungen?

Ein Start-Up hat zwei zentrale Komponenten: Unternehmertum und Innovation. Ein Unternehmen kann man auch ohne Innovation gründen. Zum Beispiel jemand, der ein Lebensmittelgeschäft aufmacht. Ein Start-Up muss hingegen etwas Neues schaffen. Start-Ups haben meistens mit High-Tech und dem Internet zu tun. Es geht darum, eine innovative Idee zu haben, die später groß wird. Das Risiko zu versagen ist dabei extrem hoch.

Trotzdem wimmelt Israel von Start-Ups. Ist es hier leichter, Erfolg zu haben?

Nicht wirklich. Die meisten Start-Ups in Israel scheitern. Das ist in Silicon Valley genauso. Das Spezielle an Israel ist die Einstellung gegenüber Risiko und das Talent, damit umzugehen. Hier hat sich eine regelrechte Start-Up-Kunst entwickelt. Dabei geht es oft darum, so billig wie möglich zu scheitern. Das ist normal. Doch es gäbe hier kein Start-Up-Ökosystem, wenn es nicht auch genug schaffen würden. Etwa Software-Firmen wie Checkpoint, oder die Firma Comverse, die eine komplett neue Industrie für das Aufnehmen von Telefongesprächen geschaffen hat.

Die Finanzkrise hat Israel schwächer getroffen als Europa. Hat Innovation etwas damit zu tun?

Ja, das hängt auch mit der Start-Up-Kultur zusammen. Der Hauptmotor unserer Wirtschaft ist High-Tech, und dahinter stecken tausende Start-Ups und auch einige große Firmen wie etwa Mobileye, das ein System zur Unfallerkennung im Verkehr erfunden hat, das Gefahren vom Auge abliest. Das wirtschaftliche Ökosystem besteht aus Start-Ups, großen Firmen und um die 300 Entwicklungszentren. Intel, IBM, Google, beinahe alle High-Tech-Firmen haben einen Sitz hier. Und diese Firmen, wie etwa IBM, kaufen oft Start-Ups auf.

Auch das Militär spielt in Israel eine große Rolle. Wie hängt es mit Wirtschaft und der Entwicklung von Technologien zusammen?

Es gibt Einheiten in der Armee, die nicht nur eine Menge High-Tech, sondern auch hochqualifizierte Leute produzieren. Wenn diese Leute dann die Armee verlassen, gründen sie oft ihre eigenen Start-Ups. Aber viel wichtiger in der Verbindung zwischen Militär und Start-Ups ist die Kultur dahinter. In der Armee lernen alle Rekruten zwischen zwei und drei Jahre lang, sich auf eine bestimmte Mission zu konzentrieren, Anführer zu sein und mit Risiken umzugehen. Die Armee ist in Israel der dritte Lebensabschnitt, zwischen Schule und Arbeit. Dort lernen junge Israelis, sich für eine größere Idee zu opfern.


Bringt die liberalisierte High-Tech-Wirtschaft nicht auch Gefahren mit sich? Nur etwa 10 Prozent der Arbeiterschaft sind dort beschäftigt. Der Rest geht oft leer aus.

Ich denke, dass es letztlich mehr als 10 Prozent sind. Aber Sie haben recht, nur eine Minderheit arbeitet in dem Bereich. Die Sozialproteste letzten Sommer haben hohe Preise und wirtschaftliche Ungerechtigkeit angeprangert. Das war wichtig. Man müsste den starken Teil der Wirtschaft sehen und überlegen, wie man diesen Erfolg auf den Rest ausweiten kann.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-26 17:47:09
Letzte Änderung am 2012-10-26 19:18:41


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