Bern. Die Tage werden kürzer, das Wetter kälter - die Grippesaison steht vor der Tür. Viele Menschen lassen sich zu dieser Jahreszeit gegen Influenza impfen. Für den Schweizer Pharmakonzern Novartis geht das Geschäft während dieser Zeit normalerweise gut. Nicht so jedoch im heurigen Jahr. Nachdem in einem Werk in Italien in einigen Spritzen mit Grippe-Impfstoffen weiße Partikel gefunden wurden, hat das italienische Gesundheitsministerium die Verwendung dreier Grippe-Pharmaka von Novartis wegen möglicher Nebenwirkungen provisorisch untersagt. Es folgten Auslieferungsstopps in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und auch Österreich.
Die Partikelbildungen der Impfstoffe würden aber kein Sicherheitsrisiko darstellen, sagte der Novartis-Konzernchef Joe Jimenez am Freitag. "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass keine Risiken bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit bestehen", so Jimenez laut "Baslerzeitung". Scharfe Töne kommen - den Beschwichtigungen zum Trotz - aus Italien: Gesundheitsminister Renato Balduzzi sagte, Novartis habe von dem Problem bereits seit Juli gewusst und die Behörden nicht ausreichend informiert.
Der Auslieferungsstopp werde bei Novartis kaum Auswirkungen auf den Umsatz haben, erklärte Jimenez. Denn die Herstellungsstätte in Italien, aus dem die umstrittenen Stoffe stammen, produziere als eines von vier Werken lediglich für Europa. Den Umsatzeffekt beziffert Jimenez darum auf unter 38,63 Millionen Euro. An der Börse gab es bisher keine besonderen Reaktionen: Am Freitag notierte die Novartis-Aktie im Verlauf mit 56,90 Franken sogar höher - um 0,18 Prozent.
Trotz derzeitigem Auslieferungsstopp der Novartis-Impfstoffe wird es in Österreich nicht zu einem Engpass kommen, heißt es aus dem österreichischen Gesundheitsministerium.