• vom 31.10.2012, 21:41 Uhr

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Der Aufbau europäischer Start-Up-Cluster schreitet voran, London und Berlin haben aktuell die Nase vorn

Europa sucht sein Silicon Valley


Von Stefan Meisterle

  • Mangelhafte Bereitschaft zum Risiko hemmt Fortschritte bei der Entwicklung.

"Silicon Europe" ist noch nicht gefunden - London hat aktuell aber die besten Karten.

"Silicon Europe" ist noch nicht gefunden - London hat aktuell aber die besten Karten.© samott - Fotolia "Silicon Europe" ist noch nicht gefunden - London hat aktuell aber die besten Karten.© samott - Fotolia

Wien. "Wer von euch hat vor, sein Glück in den Staaten zu versuchen?", will der US-amerikanische Start-Up-Investor Dave McClure vom Podium des Pioneers Festival herab wissen. Mehrere der bei dem Wiener Event zahllos versammelten Start-Ups werfen ihre Hände in die Luft und erlangen tatsächlich die Aufmerksamkeit des Szene-Veteranen: "Ihr Narren!", beschimpft McClure sie sogleich scherzend. Und beginnt zu erläutern, was sie bei ihrem Vorhaben zu erwarten haben - und ob sich der Verbleib in Europa nicht doch lohnen könnte. Denn obwohl die USA mit dem berühmten Silicon Valley immer noch das Mekka der globalen Online-Wirtschaft darstellen, schickt sich Europa an, die Lücke zum Vorbild zu verkleinern.

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Was das kalifornische Silicon Valley auszeichnet, ist schnell gesagt. Etliche Hauptquartiere globaler High-Tech-Konzerne, die Nähe zur Elite-Universität Stanford, risikofreudige Investoren und nicht zuletzt eine Serie von Erfolgsgeschichten immer noch junger Unternehmen wie Google, Facebook oder Ebay. Deutlich schwerer fällt es hingegen, diesem Vorbild nachzuahmen - eine Aufgabe, der sich, verführt von der Aussicht auf Wachstum und neue Jobs, längst auch Städte und Regionen in Europa stellen. "Es bilden sich Zentren, etwa in London und Berlin, wo dieses junge Unternehmertum am Entstehen ist", berichtet Lars Hinrichs, Gründer des in Deutschland entwickelten sozialen Netzwerkes Xing. Der Grund dafür liegt für den Start-Up-Experten auf der Hand: "Ein Drittel der Menschheit ist online und es gibt mehr und mehr funktionierende Internet-Geschäftsmodelle." Tatsächlich lässt sich neben London und Berlin, unbestritten die Vorreiter in der jungen und kreativen High-Tech-Wirtschaft Europas, noch eine Reihe weiterer aufstrebender Regionen nennen: Paris, Amsterdam, Skandinavien und Zentraleuropa, wo speziell Wien nicht zuletzt mit Initiativen wie dem Pioneers Festival gepunktet hat.

Risikoscheue Europäer
Die Schwierigkeiten, die diese Städte und Regionen zu überwinden haben, sind freilich keine geringen. Immer wieder wird vor allem auf den Mangel an Risikokapital verwiesen. Zwar wurden vielerorts Fördersysteme geschaffen, die technologieorientierte Jungunternehmen die Finanzierung in den ersten Entwicklungsphasen erleichtern. Sobald es aber an die kostspielige Etablierung ihrer Produkte auf dem heimischen Markt oder gar den Eintritt auf ausländische Märkte geht, tut sich eine Lücke auf, die gerade im Vergleich mit den USA deutlich wird. Erhebungen der Risikokapital-Datenbank Dow Jones Venture-Source zufolge lukrierten europäische Unternehmen im zweiten Quartal 2012 insgesamt 1,3 Milliarden Euro an Risikokapital, während in den USA im gleichen Zeitraum 6,2 Milliarden Euro investiert wurden. "Großbritannien ist risikoscheuer als die USA - und der Rest Europas ist noch risikoscheuer", befindet der britische Business Angel Tom Hulme. Allerdings sind am europäischen Kapitalmarkt durchaus Fortschritte zu erkennen: Während das Volumen des investierten Risikokapitals in den USA zuletzt leicht zurückging, legte es am alten Kontinent zu. Verantwortlich dafür: Business Angels und Fonds, die in vielen Ländern aus der Taufe gehoben werden.

Krise begünstigt den Wandel
Eine größere Bereitschaft zum Risiko wird freilich auch Start-Ups selbst abverlangt. "Wir müssen mehr Unternehmertum in Europa kreieren", fordert Hinrichs und betont: "Das Arbeiten in einem Start-Up sollte als alternativer Karriereweg angesehen werden." Glaubt man Hulme, könnten gerade Europas wirtschaftliche Probleme diesen Wandel auslösen. "Für junge, talentierte Menschen ist es, auch wegen der Finanzkrise, vielfach nicht mehr vorstellbar, jahrzehntelang für ein einzelnes Unternehmen zu arbeiten. Sie suchen nach Möglichkeiten, sich zu entwickeln, sich zu verbessern und etwas zu bewirken. Der richtige Ort dafür ist ein Start-Up", meint Hulme.

"Wir werden das Silicon Valley zwar wahrscheinlich nie einholen", stellt Hinrich nüchtern fest. Aber nachdem es beim Internet immerhin um einen Milliardenmarkt gehe, "müssen die Amerikaner ja nicht alles kriegen." Gelingen soll das nach Ansicht Hinrichs dank mutiger Start-Ups: "Wir brauchen Unternehmen, die es wagen, diesen Markt zu betreten, um dort zu gewinnen." Dazu muss man manchmal schon ein bisschen närrisch sein. Selbst, wenn man in Europa bleibt.

Mehr zum Start-Up-Schwerpunkt finden Sie im Internet unter
www.wienerzeitung.at/startup



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Dokument erstellt am 2012-11-01 16:23:06


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