• vom 26.03.2013, 19:06 Uhr

International

Update: 26.03.2013, 19:19 Uhr

Schwarzgeld

Die Karawane zieht weiter




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  • Alternativ zu Zypern bieten sich viele Steueroasen an
  • Luxemburg wehrt sich dagegen, dass sein übergroßer Finanzsektor eine Gefahr darstellt.



Nikosia/Wien. Von A wie Andorra bis Z wie Zypern: Zwar mag das Alphabet der steuerschonenden Geldanlage künftig um einen Buchstaben kürzer werden. Vertrocknen werden die Steueroasen aber noch lange nicht. Rund 70 mehr oder minder dubiose Finanzplätze buhlen weltweit um Anlegergeld. Großinvestoren, deren Vertrauen mit den Spareinlagen in Zypern rasiert wird, müssen nicht einmal weit reisen - etliche Finanzplätze in Europa bieten sich als Alternative an.

Dabei hatten die 20 mächtigsten Wirtschaftsnationen (G20) 2009 versprochen, der Steuerflucht den Kampf anzusagen. Geändert hat sich nicht viel. Die Industriestaatenorganisation OECD machte zwar mit einer Schwarzen Liste Druck, gab sich dann aber sehr rasch zufrieden, wenn säumige Staaten ein paar bilaterale Steuerabkommen abschlossen.


Etwas mehr Wirkung entfachte der massive Druck der US-amerikanischen Justiz auf Schweizer Großbanken, die US-Kunden bei der Steuerhinterziehung behilflich gewesen waren: Den Eidgenossen blieb nichts übrig, als sich als sauberer Finanzplatz neu zu positionieren - nun verfolgt man vorgeblich eine "Weißgeldstrategie" und will mit Schweizer Diskretion, Servicequalität, Stabilität und Rechtssicherheit punkten.

Am Grundproblem hat sich seit dem Ausbruch der Krise nichts geändert: Die Verfolgung von Schwarzgeld, Geldwäsche und Steuerflucht wird erschwert. Und viele Staaten, die Kapitalabflüsse verzeichnen, fallen um Milliarden an Steuereinnahmen um, die in Zeiten von Staatsschuldenkrisen dringend benötigt würden.

Es geht um Billionen Dollar

Auf Gibraltar finden nicht nur die berühmten Berberaffen Platz, sondern auch zigtausende Offshore-Gesellschaften.

Auf Gibraltar finden nicht nur die berühmten Berberaffen Platz, sondern auch zigtausende Offshore-Gesellschaften.© Corbis/Pete Oxford Auf Gibraltar finden nicht nur die berühmten Berberaffen Platz, sondern auch zigtausende Offshore-Gesellschaften.© Corbis/Pete Oxford

Um welche Beträge geht es? Dafür gibt es nur grobe Schätzungen, die weit divergieren. Die Boston Consulting Group rechnet, dass von 123 Billionen US-Dollar Privatvermögen rund 8 Billionen in Offshore-Zentren veranlagt sind - materielle Besitztümer wie Yachten oder Immobilien nicht inkludiert. Das Tax Justice Network (TJN) setzt den Wert bedeutend höher an. Studienautor James S. Henry schätzt das Vermögen in Schattenfinanzplätzen auf 21 bis 32 Billionen US-Dollar.

Die TJN-Experten vermeiden den Begriff Steueroase und sprechen lieber von Schattenfinanzplatz. In der Debatte wird nämlich vieles wild durcheinander gemischt. Steueroase ist nicht gleich Steueroase - auch wenn es eine Reihe von Eigenschaften gibt, die diese kennzeichnen: Dazu zählen extrem niedrige Steuersätze oder günstige Veranlagungsbedingungen wie hohe Zinsen. Eine zentrale Rolle spielt Geheimhaltung - die einen nennen das Diskretion, andere schlicht Intransparenz. Dazu zählt etwa die Möglichkeit, anonym und unkompliziert Firmenhüllen zur Verschleierung zu gründen - oder ein strikt gehandhabtes Bankgeheimnis. Wieder andere Finanzplätze bieten sich durch lasche Regeln oder eine Finanzaufsicht, die keine Fragen stellt, als Bunker für Geld von fragwürdiger Herkunft an.

Schwarzgeld, Geldwäsche, Steuerflucht - das schwingt bei der Debatte über Steueroasen immer mit. Dabei geht es nicht in allen Fällen darum, kriminelle Aktivitäten vor einer Verfolgung zu schützen. Manche Finanzplätze werben im Gegenteil damit, ein sicherer Hafen für rechtmäßig erworbenes und versteuertes Geld zu sein, welches dadurch dem staatlichen Zugriff entzogen wird. Nachdem die Euro-Finanzminister jüngst ohne mit der Wimper zu zucken zugestimmt hätten, Spareinlagen in Zypern mit einer einmaligen "Vermögensabgabe" zu belasten, könnte dieser Investoren- und Anlegerschutz sogar noch an Bedeutung gewinnen.

Wirtschaftsliberale Freigeister sehen in Dumping-Steuersätzen ohnehin ein wichtiges Wettbewerbsmoment: Steueroasen seien das einzige Regulativ, das andere Staaten daran hindert, die Steuern immer weiter anzuheben.

Steuerfreiheit in Andorra
In Andorra müsste man leben. Der Pyrenäenstaat ist ein wahres Steuerparadies: Es gibt keine Vermögens-, Erbschafts-, Einkommens- oder Körperschaftssteuer. Allerdings stehen die Türen in den Kleinstaat nicht allen offen - und um Verwaltungsabgaben und Gebühren kommen auch die 85.000 Einwohner nicht herum.

Dass er in einer Steueroase lebt, würde wohl kaum ein Österreicher behaupten, angesichts einer Steuerlast auf Arbeitseinkommen, die laut OECD bis zu 48,9 Prozent beträgt. Als Schattenfinanzplatz wird Österreich vom Tax Justice Network aber sehr wohl qualifiziert - schuld ist das eher verbohrte Festhalten am Bankgeheimnis, das in Wirklichkeit dem heimischen Kleinsparer gar nichts bringt. Dass Österreich mit Luxemburg die EU-weite Reform der Zinsbesteuerungsrichtlinie blockiert, wird ebenfalls negativ vermerkt.

Im jüngsten Schattenfinanzindex des Tax Justice Network scheint Österreich auf Platz 17 auf. Es führt mit großem Abstand die Schweiz vor den Cayman Islands und Luxemburg. Die Rangliste erscheint alle zwei Jahre, das nächste Mal im November 2013.

Hedgefonds und Kaimane
Wie überall haben sich auch im Reich der Schattenfinanzen Spezialisierungen herausgebildet. Die Cayman Islands etwa sind das globale Zentrum für Hedgefonds: 38 Prozent der 7000 Spekulationsfonds haben in dem britischen Überseegebiet ihr Domizil. (Auf Platz zwei liegt der US-Bundesstaat Delaware mit 35 Prozent.)

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Dokument erstellt am 2013-03-26 19:11:07
Letzte ─nderung am 2013-03-26 19:19:18



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