• vom 18.05.2013, 12:57 Uhr

International

Update: 18.05.2013, 21:16 Uhr

Steuerhinterziehung

Deutsche Millionäre im Stress




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Von Clemens Neuhold

  • Interview mit dem Experten für Finanzstrafrecht Roman Leitner
  • Welle an Selbstanzeigen in Österreich und Deutschland.

Roman Leitner ist Honorarprofessor für Finanzstrafrecht an der Universität Graz, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der in Österreich, Schweiz, Mittel- und Osteuropa tätigen LeitnerLeitner GmbH. Er ist dort auf die Beratung in Steuerstrafangelegenheiten spezialisiert.

Roman Leitner ist Honorarprofessor für Finanzstrafrecht an der Universität Graz, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der in Österreich, Schweiz, Mittel- und Osteuropa tätigen LeitnerLeitner GmbH. Er ist dort auf die Beratung in Steuerstrafangelegenheiten spezialisiert.© LeitnerLeitner Roman Leitner ist Honorarprofessor für Finanzstrafrecht an der Universität Graz, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der in Österreich, Schweiz, Mittel- und Osteuropa tätigen LeitnerLeitner GmbH. Er ist dort auf die Beratung in Steuerstrafangelegenheiten spezialisiert.© LeitnerLeitner

"Wiener Zeitung": Auf heimischen Konten liegen laut Oesterreichischer Nationalbank 55 Milliarden Euro von Ausländern. Wie viel ist davon Schwarzgeld?

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Roman Leitner: Ein erheblicher Teil. Ein wesentlicher Teil ist Vermögen von Deutschen, die aus dem Fokus der deutschen Finanz wollten, sei es, um sich die Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer zu ersparen oder – im Fall von Firmen – eine "eiserne Reserve" anzulegen. Allerdings ist steuerrechtlich umstritten, ob es sich noch um Schwarzgeld handelt, wenn in Österreich bereits 35 Prozent Quellensteuer auf Zinsen abgeführt wurden. Ist das Geld in Fonds oder Dividenden veranlagt, schaut es wieder anders aus (kein EU-Quellensteuerabzug).


Bald ist das Bankgeheimnisses für Ausländer passé. Flüchtet dieses Kapital dann?

Natürlich beobachten die Anleger genau, was Österreich tut. Da ticken die Überlegungen. Jeder will seine Schäfchen ins Trockene bringen. Es wird sehr davon abhängen, welche Steuern wo bezahlt werden müssen. Viele Deutsche wollten sich ursprünglich die deutsche Vermögenssteuer (später abgeschafft, Anm.) ersparen und transferierten ihr Geld nach Österreich. Nach der nächsten Wahl könnte sie wieder eingeführt werden. Aber auch in Österreich sind Vermögenssteuer und Erbschaftsteuer in Diskussion.

Wo kann man Schäfchen noch ins Trockene bringen?

Es wird sehr davon abhängen, wie engmaschig das Netz wird. Jetzt ist die Rede davon, dass sogar Großbritannien mit seinen Inseln einlenkt. Selbst Singapur tritt in Verhandlungen ein, wo enorm viel Schwarzgeld liegt. Vielleicht wird der Druck so stark, dass nur exotische Destinationen wie Panama überbleiben. In viele Staaten können Sie nicht mehr flüchten; Gelder werden oftmals nur mehr bei Nachweis der Versteuerung angenommen. Alle reden jetzt vom "Weißgeld".


Erwarten Sie eine Welle von Selbstanzeigen wie in Deutschland? Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt von einer "Welle der Ehrlichkeit".

Auch in Österreich kommt die nächste Welle – und zwar im Zusammenhang mit allen Vermögen, die unter das Steuerabkommen Österreichs mit Liechtenstein fallen. Das geht weiter als das Abkommen mit der Schweiz. Nicht nur das bei Liechtensteiner Banken verwaltete Vermögen fällt darunter, sondern auch das weltweit von Liechtensteiner Treuhändern verwaltete.

Deutsche Anleger mit Kapitalvermögen in Österreich werden sich wohl klar werden müssen, ob sie nicht eine Selbstanzeige in Deutschland abgeben und Risiken bereinigen. Sie können natürlich weiter auf Steuerflucht setzen, das wird aber immer ungemütlicher. Für kleinere Anleger ist es außerdem undenkbar, etwa nach Panama oder Russland zu gehen.


Kommen weitere Fälle wie der von Bayern-München-Promi Hoeneß?

Natürlich kann es weitere Promi-Selbstanzeigen geben. In Deutschland wird spannend, ob der Kriegszustand mit der Schweiz weitergeht. Es ist die Frage, ob Deutschland nicht doch ein Steuerabkommen zur Vergangenheitsbewältigung abschließt, so wie Österreich. Oder es führt weiter Krieg und kauft Steuer-CDs.

Sie sind gegen Steuer-CDs?

Ja, das ist ein Unfug, das ist unsittlich und eine Schande für ein demokratisches Land. Die Leute sollen sich zusammensetzen und ein vernünftiges Abkommen machen – wie eben in Österreich.


Die große Jagd auf Steuersünder begann mit Offshore-Leaks. Was kommt als Nächstes?

Offshore-Leaks war ein Horror für die Trust-Wirtschaft (Trusts: Oft als anonyme Stiftungen zur Steuerhinterziehung in Steueroasen genutzt und meist von Großbritannien verwaltet, Anm.). Da geht es um riesige Vermögen. Jetzt werten professionelle Behörden unter anderem in Deutschland die Datenberge aus. Da sind spektakuläre Ergebnisse zu erwarten.

Hat Österreich gut oder schlecht ums Bankgeheimnis verhandelt?

Es ist nicht so schlecht gelaufen. Österreich hat den Finger in die Wunden gelegt und darauf hingewiesen, dass England mitziehen und ein internationales Trust-Register kommen muss. Es ist gut, dass die Finanzministerin hier Wirbel gemacht hat. Da muss man drauf bleiben.


Halten die Abkommen Österreichs mit der Schweiz und Liechtenstein?

Wichtig ist: Die Betroffenen sind entkriminalisiert. Mit Liechtenstein beginnt das Abkommen 2014. Wie es danach weitergeht, spielt dann keine große Rolle mehr. Österreich war so schlau, sich nicht wie Deutschland einen Krieg mit der Schweiz anzufangen.


Ist Österreich nach dem Ende des Bankgeheimnisses für Ausländer ein unattraktiver Finanzplatz?

Österreich ist dann so attraktiv oder unattraktiv wie jeder.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2013-05-18 12:58:48
Letzte Änderung am 2013-05-18 21:16:02



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