• vom 04.08.2014, 18:12 Uhr

International

Update: 04.08.2014, 22:31 Uhr

Wirtschaft

Auf nach Afrika




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  • Die afrikanische Wirtschaft wächst rasant. Die USA wollen daher bei einem Gipfel die Geschäfte mit dem Kontinent ankurbeln - und nicht den Anschluss an China verlieren.

Ein Weingeschäft in Lagos in Nigeria: In Afrika gibt es immer mehr Konsumenten, die sich auch teurere Importgüter leisten können. Der Gipfel in Washington soll Milliardengeschäfte bringen. - © reuters/A. Akinleye

Ein Weingeschäft in Lagos in Nigeria: In Afrika gibt es immer mehr Konsumenten, die sich auch teurere Importgüter leisten können. Der Gipfel in Washington soll Milliardengeschäfte bringen. © reuters/A. Akinleye

Washington/Wien. (klh) Für die Delegationen aus Liberia, Sierra Leone und Guinea war es wohl kein gemütlicher Empfang in den USA: Die Afrikaner mussten sich laut Medienberichten bei ihrer Ankunft untersuchen lassen, um sicherzugehen, dass keiner von ihnen das Ebola-Virus in sich trägt. Insgesamt kamen Staats- und Regierungschefs samt Diplomaten und Geschäftsleuten aus fast 50 afrikanischen Staaten nach Washington. Der Grund: US-Präsident Barack Obama lud zum USA-Afrika-Gipfel, der am Montag begonnen hat und bis Mittwoch dauert. Wegen der Ebola-Epidemie, die in Westafrika bereits mehr als 700 Todesopfer gefordert hat, müssen aber die Delegationen aus Liberia und Sierra Leone auf die Anwesenheit ihrer Staatsoberhäupter verzichten.

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Ebola soll allerdings bei dem Gipfel nur ein Randthema sein, im Vordergrund steht vielmehr die Wirtschaft. Denn Afrika boomt - freilich ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Die OECD sagte in ihrem jüngsten Afrika-Report dem Kontinent für 2014 ein Wachstum von fünf Prozent voraus, 2015 könnte er gar die Sechs-Prozent-Marke schrammen. Manche Länder wie Ruanda, das versucht, IT-Dienstleistungen anzuziehen, oder Angola, das von seinen Ölvorkommen profitiert, haben diese Marke schon in den vergangenen Jahren regelmäßig übertroffen. Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) zählt bereits 315 Millionen der rund eine Milliarde Afrikaner zum Mittelstand, andere Ökonomen setzen die Zahl aber niedriger an, bei etwa 150 Millionen.

Die USA drohen nun aber den Anschluss auf dem Kontinent zu verlieren. Denn in den vergangenen Jahren hat vor allem das rohstoffhungrige China eine Großoffensive in Afrika gestartet. Die Investitionen der USA, aber auch die der Europäer, hinken hinter denen Chinas her, das zum größten Handelspartner Afrikas aufgestiegen ist.

Nun sollen bei dem Gipfel in Washington Geschäftsabschlüsse in der Höhe von etwa einer Milliarde Dollar vereinbart werden, zudem soll darüber diskutiert werden, wie der Handel erleichtert werden kann. Und die US--Entwicklungshilfeagentur US-Aid hat bereits angekündigt, dass sie Milliarden Dollar in den Ausbau des afrikanischen Stromnetzes investieren will.

Das liegt im beiderseitigen Interesse: Der Ausbau der Infrastruktur macht den Einstieg in afrikanische Länder für US-Investoren (aber nicht nur für diese) attraktiver, während die afrikanischen Staaten dadurch auf wirtschaftliche Impulse hoffen. Denn eine Modernisierung der afrikanischen Volkswirtschaften sei dringend notwendig, damit der Boom nicht verpuffe, warnen Ökonomen. Afrikanische Länder müssten demnach danach trachten, mehr industrielle Produktion anzuziehen. Denn allzu oft basiere das afrikanische Wachstum lediglich auf Rohstoffen - und dabei profitierten viele Staaten von den hohen Weltmarktpreisen, etwa die Ölproduzenten Nigeria oder Angola.

Und dann ist da noch das zweite Gesicht Afrikas: In Staaten wie dem Südsudan oder Somalia herrschen Krieg und Hunger. Und in vielen Ländern, die einen Aufschwung verzeichnen, können politische Instabilität oder Terror diesen wieder zerstören. Beispiel Nigeria: Dort überzieht die islamistische Terrorgruppe Boko Haram das Land mit Anschlägen.

Trotzdem will offenbar derzeit niemand den Moment verpassen, in Afrika aktiv zu werden. So waren die afrikanischen Staats- und Regierungschefs auch schon zu Treffen mit hochrangigen chinesischen Vertretern eingeladen, aber auch Indien, Brasilien oder europäische Staaten investieren. Afrikanische Diplomaten meinen dazu immer wieder, dass sie nichts dagegen haben, wenn sich ihre Länder zwischen mehreren Optionen entscheiden können.




Schlagwörter

Wirtschaft, Investitionen, Afrika, USA

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Dokument erstellt am 2014-08-04 18:17:06
Letzte ─nderung am 2014-08-04 22:31:55



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