• vom 05.09.2014, 16:21 Uhr

International

Update: 05.09.2014, 22:24 Uhr

Ukraine-Krise

Schokolade für den Feind




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Von Simone Brunner

  • Ein Streifzug durch drei Branchen und drei Regionen: Wie sich der Krieg auf die Wirtschaft in der Ukraine auswirkt.
  • Die ukrainische Währung wurde seit Jahresbeginn um 40 Prozent abgewertet.

"Russland - die noble Seele" steht auf der Verpackung jener Schokolade, die im westukrainischen Lwiw erzeugt wird.

"Russland - die noble Seele" steht auf der Verpackung jener Schokolade, die im westukrainischen Lwiw erzeugt wird.© Brunner "Russland - die noble Seele" steht auf der Verpackung jener Schokolade, die im westukrainischen Lwiw erzeugt wird.© Brunner

Lemberg/Kiew/Donezk. Die Zahlen auf der roten Digitalanzeige klettern nach oben: 236, 238, 240 Stück pro Minute. Im hallenden Fabrikslärm packen schweigende Frauen mit Hauben, Handschuhen und roten Overalls die Schokolade-Tafeln in längliche Kartons. Die Aufschrift "Russland - die noble Seele" schmückt in weiß-güldenen Lettern auf karminrotem Hintergrund die Verpackung.

Es sind vor allem die "extra schokoladigen Bläschen", die die Russen so lieben, sagt Anatolij, Mitarbeiter der Fabrik. Auf rund 60 Metern wird die weiße Schoko-Masse gegossen, geschüttelt, gepresst und mit Milchschokolade eingefasst. "So eine Maschine gibt es in Russland nicht", sagt Anatolij stolz. So kommt es, dass ausgerechnet hier, im westukrainischen Lwiw (Lemberg), tonnenweise Schokolade für den russischen Markt produziert wird. Die Schokoladenfabrik Switotsch gehört zum globalen Branchenriesen Nestlé und gilt somit als multinationales Unternehmen. Über die beiden ukrainischen Konkurrenten Konti und AVK verhängte Russland am Freitag einen Importstopp. Offizielle Begründung: Die Firmen hätten gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen. Auch Nestlé Ukraine ist laut eigener Angabe von den neuen Restriktionen betroffen; die Details sind jedoch noch unklar.

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Ukrainische Währung um 40 Prozent abgewertet
"Wir arbeiten wie gewöhnlich", sagt Mariana Girniak, Produktionsmanagerin bei Switotsch. 1000 Mitarbeiter werken bei Switotsch, die Maschinen laufen auf Hochtouren. Spurlos geht die Krise aber freilich auch hier nicht vorüber: Die ukrainische Währung Hrywnja wurde seit Jahresbeginn fast 40 Prozent abgewertet - Importe wie Kakao oder Kaffee hat das natürlich ungemein verteuert und die Margen verringert. Nestlé Ukraine hat aber aus der Krise 2008 gelernt, die die Ukraine ebenfalls schwer getroffen hat: Wurden damals rund 60 Prozent der Rohstoffe importiert, sind es heute nur 35 - Tendenz sinkend.

Versicherung mit 30 Prozent Abschlag
Die schwache Hrywnja ist es auch, die derzeit Wladimir Skomorochow schlaflose Nächte bereitet. Fast 500 Kilometer weiter östlich, in der Hauptstadt Kiew, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Gerade hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine Ansprache gehalten und erstmals von einer russischen "Invasion" im Osten des Landes gesprochen. "Ich selbst bin ethnischer Russe, die Hälfte meiner Bekannten und Freunde sind Russen. Das ist alles so unfassbar", sagt Skomorochow. Und nebenbei schwimmen ihm als Präsident der Versicherungsgruppe Lemma Vite die Geschäfte davon: Der Versicherungsmarkt in der Ukraine ist schon um 30 Prozent eingebrochen - bis Jahresende werden es wohl 50 Prozent sein, befürchtet er. "Wie kann ich meinen Klienten erklären, dass das Kapital, das sie vor zehn Jahren eingezahlt haben, nichts mehr wert ist?" Lemma Vite ist nach eigenen Angaben Marktführer bei privaten Pensionsversicherungen und führend bei Lebensversicherungen.

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Dokument erstellt am 2014-09-05 16:26:05
Letzte nderung am 2014-09-05 22:24:55



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