• vom 21.05.2015, 11:12 Uhr

International

Update: 21.05.2015, 11:25 Uhr

Betrugsstudie

Österreich mischt bei geschönten Bilanzen vorne mit




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Von WZ Online, APA, red

  • Umfrage ortet Korruption besonders in Südosteuropa - Österreichs Manager haben größte Probleme mit Regularien.

Korruption und Bestechung sind noch immer weit verbreitet. Über die Hälfte der von EY (Ernst & Young) befragten Manager hält Korruption und Bestechung im eigenen Land für üblich. In Europa liegen Kroatien, Slowenien und Serbien an der Spitze. Das Schönen von Bilanzen ist auch in Österreich verbreitet, meinen zwei Drittel der heimischen Manager. Nur in Serbien und Slowenien sind es mehr.

Für die EY-Betrugsstudie wurden in Europa, dem Mittleren Osten, Indien und Afrika 3.800 Unternehmen in 38 Ländern befragt, davon 100 aus Österreich. Die Umfrage wird alle zwei Jahre durchgeführt.

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Norden am saubersten: Dänemark, Schweden, Finnland

In Südosteuropa sind Korruption und Bestechung nach Einschätzung der Manager besonders stark verbreitet: Kroatien (92 Prozent), Slowenien (87 Prozent) und Serbien (84 Prozent) belegen in Europa die ersten drei Plätze. Österreich liegt mit 42 Prozent auf Platz 18 unter 30 europäischen Ländern. Vor zwei Jahren waren es noch 46 Prozent, vor vier Jahren 34 Prozent. Am saubersten geht es im Norden Europas zu: Manager in Dänemark (4 Prozent), Schweden (10 Prozent) und Finnland (11 Prozent) berichten von der wenigsten Korruption.

Vor allem für österreichische Unternehmen, die im Ausland tätig sind, sei Korruption immer noch ein Riesenproblem, so Andreas Frohner von EY Österreich am Mittwoch in einer Pressemitteilung.

Rapider Anstieg bei geschönten Finanzergebnissen

Geht es nach den befragten Managern, sind in Österreich geschönte Finanzergebnisse besonders weit verbreitet: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) gaben an, dass Unternehmen ihre Zahlen oft besser darstellen, als sie sind. Vor zwei Jahren waren es erst 51 Prozent. Beim eigenen Unternehmen glaubt das aber nur ein Fünftel. Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich ganz knapp hinter Serbien und Slowenien (jeweils 69 Prozent) auf dem dritten Platz und deutlich über dem Durchschnitt (37 Prozent). Vor zwei Jahren lag Österreich an sechster Stelle. In Westeuropa gibt überhaupt nur ein Drittel (33 Prozent) der Manager an, dass Unternehmen in ihrem Land Zahlen "frisieren".

"Diese Einschätzungen zeichnen ein Stimmungsbild, das von Verunsicherung und Misstrauen gekennzeichnet ist", schlussfolgert Frohner.

Den österreichischen Managern würde es aber keinesfalls an mangelndem Unrechtsbewusstsein fehlen. Selbst wenn das Überleben des Unternehmens davon abhinge, würden es nur vier Prozent vertretbar finden, Geschäftsergebnisse vorsätzlich falsch anzugeben, so Frohner.

Letzter Ausweg zur Rettung der Firma

Ein Drittel der Befragten gaben an, dass sie irgendeine Form von Bestechung als letzten Ausweg zur Rettung ihres Unternehmens grundsätzlich vertreten könnten, in Österreich sind es 28 Prozent. Zu konkreten Verstößen bereits sind aber deutlich weniger. Am geringsten sind die Skrupel noch bei persönlichen Geschenken (Gesamt: 19 Prozent, Österreich: 14 Prozent), 17 Prozent würden als letzten Ausweg Bargeld bezahlen (Österreich: 12 Prozent) oder ein "Unterhaltungsprogramm" spendieren (Österreich: 14 Prozent).

Sowohl bei persönlichen Geschenken (82 Prozent) als auch bei Bestechung mit Bargeld (67 Prozent) haben Manager aus dem Oman die geringsten Gewissensbisse. In Europa hätte jeder neunte Manager kein Problem damit, Bargeldzahlungen anzubieten, um Aufträge zu akquirieren. Innerhalb Europas liegen die Türkei und Griechenland mit 43 bzw. 37 Prozent an der Spitze. Im internationalen Durchschnitt sind 56 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass unethisches Verhalten von der Unternehmensführung nicht bemerkt wird, in Österreich sind es sogar 66 Prozent.

Nirgendwo stehen Manager Eingriffen durch Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden kritischer gegenüber als in Österreich: Für 62 Prozent stellen sie eine Hürde für das Wachstum oder den Erfolg ihres Unternehmens dar. Nur sieben Prozent meinen, dass Compliance-Regelwerke einen positiven Einfluss auf ethische Standards in ihrem Unternehmen haben, nur drei Prozent bescheinigen ihnen einen positiven Einfluss auf das Geschäftsergebnis.




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Dokument erstellt am 2015-05-21 11:18:57
Letzte nderung am 2015-05-21 11:25:35



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