• vom 15.10.2015, 18:13 Uhr

International

Update: 22.10.2015, 17:38 Uhr

VW

VW ruft Millionen Autos zurück




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  • In Europa müssen rund 8,5 Millionen Fahrzeuge wegen des Abgas-Skandals in die Werkstätten.
  • Die Rückrufaktion soll 2016 starten, wann sie abgeschlossen ist, steht in den Sternen.

Beim Großteil der betroffenen VW-Dieselmodelle dürfte ein Software-Update ausreichen. Bei manchen Motorvarianten werden aber neue Bauteile gebraucht, wodurch sich die Sache in die Länge zieht.

Beim Großteil der betroffenen VW-Dieselmodelle dürfte ein Software-Update ausreichen. Bei manchen Motorvarianten werden aber neue Bauteile gebraucht, wodurch sich die Sache in die Länge zieht.© epa Beim Großteil der betroffenen VW-Dieselmodelle dürfte ein Software-Update ausreichen. Bei manchen Motorvarianten werden aber neue Bauteile gebraucht, wodurch sich die Sache in die Länge zieht.© epa

Wolfsburg. (rs) Wenn sich die Spitzenmanager des Volkswagen-Konzerns in den vergangenen Jahren trafen, hatte zumeist Feierlaune geherrscht. Trotz der Absatzprobleme der VW-Kernmarke in den USA stieg die Zahl der insgesamt verkauften Fahrzeuge von Jahr zu Jahr an, mit der Übernahme von Porsche und Ducati war die Zahl der Konzernmarken auf zwölf gestiegen. Der Aktienkurs war zwischen 2010 und Frühjahr 2015 von 100 Euro auf mehr als 250 Euro gestiegen und im ersten Halbjahr 2015 war es sogar endlich gelungen, Toyota die Krone als weltgrößter Autobauer zu entreißen.

Auch an diesem Donnerstag trafen sich knapp 400 hochrangige Volkswagen-Manager. Feierlaune wollte am Porsche-Standort in Leipzig freilich nicht aufkommen, wohl nicht einmal so etwas wie Zuversicht. Denn nur wenige Stunden, bevor der neue Konzernchef Matthias Müller die Gelegenheit hatte, seine Mannschaft angesichts des Abgas-Skandals auf einen neuen Kurs einzuschwören, hatte eine Anordnung des deutschen Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) jegliche Aufbruchsstimmung zunichte gemacht. Mit Beginn des Jahres 2016 müssen nämlich alle 2,4 Millionen Autos, die in Deutschland von den Abgas-Schummeleien betroffen sind, von Volkswagen zwangsweise in die Werkstätten zurückgerufen werden.


Freiwillig ist zu wenig
VW hatte eine solche Rückrufaktion zuvor auf freiwilliger Basis angeboten, doch dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt war das offenbar zu wenig. "Das ist ein Rückruf in einer Dimension, die auch das nötige Maß an Kontrolle und Überwachung nötig macht", sagte CSU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Auch in Österreich ordnete Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) einen Rückruf der betroffenen DieselModelle an (siehe Artikel rechts). Weil weitere EU-Länder diesem Beispiel folgen könnten, will Volkswagen auch in anderen Staaten Rückrufaktionen durchführen. Damit könnten europaweit bis zu 8,5 Millionen Fahrzeuge des Konzerns in die Werkstätten müssen.

Bis zu welchem Zeitpunkt alle Autos nach- oder umgerüstet werden können, ist derzeit noch offen. Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte in einem Zeitungsinterview Anfang Oktober allerdings schon erklärt, der Rückruf werde sich voraussichtlich bis Ende 2016 hinziehen. Ein Grund seien verschiedene Kombinationen des betroffenen Motors EA 189 mit Getrieben sowie nach Ländern spezifische Auslegungen. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern tausende." Müller zufolge reicht für die meisten Motoren ein Software-Update in der Werkstatt. Manche Fahrzeuge benötigen aber auch neue Einspritzsysteme und Katalysatoren, wodurch sich die Sache in die Länge ziehen könnte. So dürfte ein in diesem Zusammenhang benötigtes Bauteil erst in knapp einem Jahr zur Verfügung stehen.

Neue Software bis Oktober
In Deutschland muss Volkswagen dem KBA jedenfalls bis Ende Oktober eine nachgebesserte Version jener Motorsteuerungssoftware vorlegen, die die Emissionswerte bei Prüfstandtests geschönt hatte. "Wir wollen, dass alle Fahrzeuge von der unzulässigen Abschaltvorrichtung befreit und in einen vorschriftsmäßigen Zustand versetzt werden - in jeder Hinsicht", sagte KBA-Sprecher Stephan Immen. Verkehrsminister Dobrindt hatte zuvor angedeutet, dass die Manipulationssoftware auch bei einem überwiegenden Teil der deutschen Fahrzeuge scharf gestellt gewesen ist. Zuvor hatte es häufig geheißen, die Software hätte angesichts der weniger strengen Abgasvorschriften in Europa nur vor sich hin geschlummert.

Dass es bei bestimmten Dieselmodellen eine Software gibt, die die Abgasnachbehandlung im Straßenbetrieb reduziert oder völlig ausschaltet, war zunächst in den USA aufgefallen. Nach der Enthüllung in den USA wurde bekannt, dass weltweit rund elf Millionen VW mit der Manipulationssoftware ausgerüstet waren. Für Rückrufe hat der Konzern bereits 6,5 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Das Management hält es aber für möglich, dass die Summe am Ende höher ausfällt.




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Dokument erstellt am 2015-10-15 18:17:04
Letzte nderung am 2015-10-22 17:38:19



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