• vom 03.02.2016, 14:58 Uhr

International

Update: 03.02.2016, 16:57 Uhr

Agrochemie

Syngenta liebäugelt mit ChemChina




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Von WZ Online, APA, Reuters

  • Übernahme des Schweizer Agrarkonzerns wäre dem Staatsunternehmen ChemChina 43 Milliarden Dollar wert.

Basel. Mit dem bisher größten grenzüberschreitenden Zukauf eines chinesischen Unternehmens will der Staatskonzern ChemChina den Schweizer Agrochemieproduzenten Syngenta übernehmen. Die Chinesen legen dafür 43 Milliarden Dollar (39,4 Milliarden Euro) auf den Tisch. Insidern zufolge habe ChemChina die Finanzierung dieser Summe schon sichergestellt. Unter dem Druck unzufriedener eigener Aktionäre gibt Syngenta-Chef Michel Demare dem Werber aus Peking nach.

Damit verabschiedet er sich von seiner Strategie des Alleingangs, die er noch im Sommer vehement verteidigt hatte. Damals hatte er die Übernahmebestrebungen des US-Saatgutriesen Monsanto entschieden zurückgewiesen. Trotz Kritik von Investoren soll Demare nach der Übernahme durch ChemChina in der Chefetage bleiben. Syngenta ist der weltgrößte Produzent von Pflanzenschutzmitteln gegen Insektenbefall, Unkräuter und Pilze - und steht durch seinen Gen-Mais und seine unethischen Geschäftspraktiken regelmäßig unter Kritik von Umweltschutzorganisationen.

Politischer Gegenwind möglich

Eine Analystin der Schweizer Privatbank Safra Sarasin warnte, dass der Zusammenschluss auf politischen Gegenwind stoßen könnte. Der Syngenta-Chef hingegen sieht der geplanten Übernahme positiv entgegen: "Die Transaktion ermöglicht weiteres Wachstum, speziell in China und weiteren Schwellenländern, sowie langfristige Investitionen in Innovation." Sollte die Übernahme klappen, würden China und Asien zu einem harten Pflaster für Konkurrenten wie BASF, Bayer oder Monsanto.

Bitter ist die ChemChina-Transaktion vor allem für Monsanto. Syngenta hatte mehrere Übernahmeversuche des Marktführers im Saatgutbereich aus den USA abgeblockt, zuletzt im Sommer. Laut Demare erfolgte die Ablehnung damals vor allem, weil der Deal wahrscheinlich große Hürden durch Regulatoren nach sich gezogen hätte.

Diesbezüglich hat ChemChina bessere Karten, da der Staatskonzern im Bereich der Agrochemie schwächer vertreten ist. Deswegen geht Syngenta davon aus, dass die Behörden dem Zusammenschluss grünes Licht geben würden. Sollte die Übernahme scheitern, wäre eine Vertragsstrafe zu zahlen. Für ChemChina beträgt diese Gebühr rund drei Milliarden Dollar, für Syngenta etwa eineinhalb Milliarden.

Chemiefusionen im Trend

Der Deal ist kein Einzelfall: Erst im Dezember erfolgte mit dem Zusammenschluss von Dow Chemical und DuPont die größte Chemiefusion aller Zeiten - mit einem Wert von 130 Milliarden Dollar. Fallende Getreidepreise und instabile Märkte in den Schwellenländern haben den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut zuletzt zugesetzt. Die schwierige Geschäftslage spiegelt sich auch in der am Mittwoch veröffentlichten Jahresbilanz von Syngenta, die einen Gewinneinbruch von 17 Prozent zeigt.

Neben der schwachen Branchenkonjunktur führte bei den Schweizern auch der Druck der Aktionäre dazu, dass sie sich von ihrer Strategie des Alleingangs abwendeten. Sie bezweifeln, dass der Baseler Konzern aus eigener Kraft einen ähnlich hohen Börsenwert erreichen kann wie im Zuge eines Zusammenschlusses. Syngenta hat bis Mai Zeit, um das Kaufangebot von Chemchina anzunehmen, sodass der Kauf bis Ende 2016 abgeschlossen werden könnte. In einigen Jahren soll die neue Gesellschaft wieder an die Börse gehen.





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Dokument erstellt am 2016-02-03 15:03:42
Letzte nderung am 2016-02-03 16:57:15



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