• vom 08.04.2016, 17:30 Uhr

International

Update: 08.04.2016, 19:35 Uhr

Panama Papers

"Letzte echte Steueroase" USA




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  • US-Bürger sind in den Panama Papers kaum zu finden - nach immer neuen Steuersenkungen sind die USA selbst ein Steuerparadies.

Auch Schriftsteller Vargas Llosa ist in den Papers genannt.

Auch Schriftsteller Vargas Llosa ist in den Papers genannt. Auch Schriftsteller Vargas Llosa ist in den Papers genannt.

Buenos Aires/Berlin. (leg/apa) Die Enthüllungen im Zuge der Panama Papers setzen Politiker und Firmen weltweit unter Druck. Auch prominente Persönlichkeiten kamen ins Gerede - etwa Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa: Die spanische Website "El Confidencial" meldete, dass ein geleaktes Dokument einer Firma in Panama zeigen soll, dass Vargas Llosa und seine Ex-Frau 2010 einen Monat lang als Aktionäre eines Offshore-Unternehmens auf den British Virgin Islands gelistet waren. Am 6. Oktober 2010, einen Tag vor der Verleihung des Nobelpreises, soll demnach ein Vertreter des Schriftstellers ihn und seine Frau wieder von der Liste der Anteilseigner nehmen haben lassen. Vargas Llosas Literaturagent zeigte sich von der Meldung auf "El Confidencial" überrascht.

Neben dem britischen Premier David Cameron gerät auch Argentiniens neuer Präsident Mauricio Macri zunehmend in Schwierigkeiten. Gegen den konservativen Politiker wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Medienberichten wird Macri als Direktor zweier Briefkastenfirmen geführt, sie sollen wie im Fall Cameron seinem Vater gehören. Der Präsident, der den Wahlkampf unter anderem als Anti-Korruptionskämpfer bestritten hatte, wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in einer TV-Ansprache zurück.


Schäuble will Strafen
Die Panama-Leaks-Enthüllungen befeuern international den Kampf gegen Steuerhinterziehung. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble erwägt, deutsche Firmen für Engagements in dubiosen Steueroasen finanziell zu bestrafen. Ab nächstem Jahr tauschen 100 Staaten der Welt Informationen über Konten aus.

Ein großes Land ist da allerdings nicht dabei: die USA. Laut dem Anwalt Niklas Schmidt, einem Partner der Anwaltskanzlei Wolf Theiss, sind die USA - oder zumindest einige ihrer Bundesstaaten - die letzte echte Steueroase. Die USA hätten mit dem Gesetz Facta alle anderen Staaten gezwungen, ihnen Informationen über US-Bürger zu geben, ohne dass die US-Banken vergleichbaren Pflichten unterliegen. Deshalb übernähmen die Amerikaner auch nicht die wechselseitigen Informationspflichten der OECD. In Wahrheit hätten die USA mit Gewalt ihr Rechtssystem den anderen aufgezwungen, die "dummen Europäer haben gesagt, dann machen wir das halt", und nun hätten die USA einen Wettbewerbsvorteil für Steuerhinterzieher, so Schmidt in einem Pressegespräch mit Journalisten in Wien. Er zeigte sich aber zuversichtlich, "dass auch die USA aufwachen" und die Lage sanieren werden.

Bis jetzt sind kaum US-Amerikaner in den geleakten Dokumenten zu finden - mit ein Grund, warum die Beteuerungen Moskaus, es handle sich bei den Panama Papers um eine gezielte Aktion des US-Geheimdiensts CIA, bei manchen auf Resonanz stoßen. Dieser Argumentation steht freilich entgegen, dass durch die Papers nicht nur US-Gegner wie Russlands Präsident Wladimir Putin unter Druck kamen, sondern auch US-freundliche Politiker. Die "Süddeutsche Zeitung" wies darauf hin, dass in den USA Reichtum weniger versteckt wird als anderswo - und dass nach immer neuen Steuersenkungen seit den 1980ern die USA selbst bereits ein Steuerparadies seien.




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Dokument erstellt am 2016-04-08 17:35:05
Letzte ─nderung am 2016-04-08 19:35:41



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