• vom 23.05.2016, 17:23 Uhr

International


Bayer

Ein ungebetenes Angebot von 62 Milliarden Dollar




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  • Der deutsche Pharmakonzern Bayer lässt sich seinen Traum von der Vormachtstellung im Agrarbereich einiges kosten.



Leverkusen/St. Louis. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hofft beim US-Saatgutriesen Monsanto auf Gegenliebe für sein 62 Milliarden Dollar (55,3 Milliarden Euro) schweres Übernahmeangebot. "Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit Monsanto", sagte der neue Bayer-Chef Werner Baumann am Montag. Er sei "vollkommen überzeugt" von der eigenen Offerte und erwarte eine positive Antwort von Monsanto.

Ob der Leverkusener Konzern gegebenenfalls auch eine feindliche Übernahme, gegen den Willen von Vorstand und Verwaltungsrat des Glyphosat-Herstellers, machen würde, kommentierte Baumann nicht. Die Übernahme sei komplett finanziert.


Die Monsanto-Übernahme biete für Bayer eine "überzeugende" Gelegenheit, "ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen", teilte Bayer mit. Monsanto hatte das Angebot von Bayer in der vergangenen Woche als "ungebeten und unverbindlich" bezeichnet.

Mit der Übernahme von Monsanto - der auch das hochumstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat produziert - würde die Sparte Pflanzenschutz zur größten des Konzerns. Der Bayer-Konzern machte mit rund 117.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43,6 Milliarden Euro. Monsanto mit rund 21.000 Mitarbeitern wies im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 15 Milliarden aus.

Mit Abstand Branchen-Primus
Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird von nur von einer guten Handvoll Firmen kontrolliert. Monsanto und Bayer würden zusammen ein breites Angebot im Pflanzenschutz und Saatgut auf die Beine stellen. Kombinierte man den Umsatz der Agrarspalte von Bayer mit dem Umsatz von Monsanto, so würde man auf 23,1 Milliarden Euro im Jahr kommen. Die beiden nächstgrößeren Player, Syngenta/ChemChina Agriculture und DuPont Agriculture/Dow Chemical Agriculture kommen nur auf 14,8 beziehungsweise 14,6 Milliarden Euro - sind also beide fast zehn Milliarden Euro leichter.

Die deutsche Fondsgesellschaft Union Investment, zwölftgrößter Investor bei Bayer, beurteilt das Vorhaben kritisch. "Ich bin skeptisch. Strategisch wäre es sicherlich sinnvoll, weil Monsanto stark im Saatgutbereich ist, wo Bayer sicher gerne zugekauft hätte", sagte Fondsmanager Markus Manns. Der große Nachteil sei aber die Größe des Deals. Denn so sei es weitgehend ausgeschlossen, dass Bayer über die nächsten zwei bis drei Jahre die finanzielle Flexibilität für Zukäufe im Pharmabereich behalte.

Der Zukauf könnte auch in den USA auf kartellrechtliche Hürden wegen Überlappungen im Saatgutgeschäft stoßen.

Bei einer Übernahme der US-Amerikaner muss sich Bayer-Chef Baumann aber noch auf ganz andere Kritik einstellen: Kein anderer Konzern der Branche hat ein derart schlechtes Image wie Monsanto. Der Saatgutriese steht immer wieder wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik.




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Dokument erstellt am 2016-05-23 17:29:04



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