• vom 14.12.2016, 17:32 Uhr

International

Update: 14.12.2016, 22:03 Uhr

Federal Reserve

Das Ende der Geldflut




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  • Die US-Notenbank Fed hob die Zinsen leicht an - ihre Geldpolitik hat weltweit Auswirkungen.

Notenbankchefin Janet Yellen.

Notenbankchefin Janet Yellen. Notenbankchefin Janet Yellen.

Washington. (dpa) Wer Donald Trump im Wahlkampf zuhörte, mag den Eindruck bekommen haben, der wirtschaftliche Zustand der Vereinigten Staaten sei desaströs. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Die größte Volkswirtschaft der Welt läuft weitgehend rund, die Arbeitslosigkeit ist mit einer Quote von 4,6 Prozent im Griff, die Inflation zieht wieder an.

Deshalb war erwartet woden, dass die Notenbank Federal Reserve den Leitzins, der zuletzt auf die Spanne von 0,25 bis 0,50 festgelegt war, leicht erhöht: Nach einstimmiger Entscheidung im Offenmarkt-Ausschuss hob die Federal Reserve den Leitzins erstmals seit einem Jahr um 0,25 Prozentpunkte an - er bewegt sich damit künftig in einem Korridor zwischen 0,5 und 0,75 Prozent.


Die Entscheidung wurde von den derzeit zehn Ausschuss-Mitgliedern einstimmig getroffen. Der Erhöhung - der erst zweiten seit 2006 - sollen im kommenden Jahr drei weitere Zinsschritte folgen. Die Märkte hatten nur mit zwei Anhebungen im Jahr 2017 gerechnet. "Wir haben deutliche Fortschritte hin zu unseren Ziel der Maximalbeschäftigung und einer Inflation von zwei Prozent gemacht", sagte Fed-Chefin Janet Yellen. Yellen sieht den Leitzins am Ende des Jahres 2017 bei 1,4 Prozent, bei 2,1 Prozent Ende 2018 und bei 2,9 Prozent am Ende des folgenden Jahres.

Die Frage, ob der etwas schnellere Normalisierungskurs auch eine Folge des Wahlsieges von Donald Trump sein könnte, beantwortete sie nicht. "Die Zinserhöhung ist eine Reflektion der Tatsache, dass die Wirtschaft deutliche Fortschritte gemacht hat", sagte sie lediglich.

Zuletzt hatte sich vor allem der US-Arbeitsmarkt als sehr stabil erwiesen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 4,6 Prozent. Auch die Inflation zieht langsam an, weil die höhere Beschäftigung zu höheren Einkommen führt. Außerdem sind Energie- und Rohstoffpreise wieder leicht im Aufwärtstrend.

In Europa hatte die Europäische Zentralbank erst vorige Woche ihre ohnehin extrem weit geöffneten Geldschleusen noch einmal ein Stück weiter geöffnet und neue Anleihekäufe im Milliardenvolumen angekündigt. Ein Zinserhöhung in der Eurozone liegt damit noch in weiter Ferne. Eine zu große Lücke zwischen europäischem und US-amerikanischem Zinsniveau wäre eine weitere Belastung für die Gemeinschaftswährung Euro.

Der Präsident des Münchner ifo-Institutes, Clemens Fuest, bezeichnete die Entscheidung der Federal Reserve als Schritt in die richtige Richtung. Es müssten weitere folgen. "Die Inflationsrate in den USA steigt, und es ist wichtig, dass die Geldpolitik rechtzeitig gegensteuert", sagte Fuest.

Doch was bedeutet das nun für das Land von Donald Trump und die anderen Volkswirtschaften auf der Welt? Eine Zinserhöhung ist notwendig, weil die Finanzmärkte bei niedrigem Leitzins mit billigem Geld überschwemmt werden und das zu einer Bildung gefährlicher Blasen führen kann - etwa auf dem Immobilienmarkt. Platzen diese Blasen, hat das zumeist katastrophale Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Das will die Notenbank verhindern. Sie muss aber auch versuchen, den richtigen Moment zu erwischen. Zieht die Inflation zu stark an, bevor die Zinsschraube weiter festgedreht wird, kann es zu spät sein. Ein zu frühes Eingreifen kann aber auch die sich erholende Wirtschaft abwürgen.

Die Fed: Mächtige Stellschraube der US-Volkswirtschaft
Ob die Zentralbank tatsächlich so viel Macht hat, eine riesige Volkswirtschaft wie die der USA zu beeinflussen, darüber streiten sich die Experten. Jerry Jordan, früher Chef der Zentralbank des US-Bundesstaats Ohio in Cleveland, bestreitet das. Die Erhöhung des Leitzinses werde keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. "Sie stellt lediglich einen Transfer von Steuergeldern hin zu Banken und Großinvestoren dar", sagt Jordan.

Die Auswirkungen der Zinserhebung sind, dass der ohnehin schon starke Dollar wohl noch stärker wird - im Vergleich zum Euro oder zum japanischen Yen legte er noch am Mittwochabend zu. Das verteuert das Einkaufen in den USA. Das gilt sowohl für private Weihnachtstouristen in New York oder Urlauber in Florida als auch für Firmen, die Produkte amerikanischer Konzerne ordern. Andererseits erlaubt das den Unternehmen in den USA, im Ausland billiger einzukaufen, sofern die Geschäfte nicht in Dollar abgewickelt werden. Das gilt auch für Einkäufe bei europäischen Zulieferern. Für das Ausland bedeutet eine Zinserhöhung in den USA also eher Probleme - vor allem für Entwicklungsländer, in denen Staatshaushalte und Privatunternehmen hohe Schuldenberge in US-Dollar halten, brechen damit schwierigere Zeiten an.




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Dokument erstellt am 2016-12-14 17:35:05
Letzte Änderung am 2016-12-14 22:03:06



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