• vom 23.02.2017, 21:43 Uhr

International


Peugeot

Auf der Zielgeraden




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  • Jetzt soll es schnell gehen. Bereits Anfang März will Peugeot die Opel-Übernahme unter Dach und Fach gebracht haben. Zuvor zeigen die Franzosen noch mit einem starken Jahresergebnis auf.

PSA-Chef Carlos Tavares will Opel nach dem Vorbild von Peugeot sanieren und als Marke erhalten. - © reu

PSA-Chef Carlos Tavares will Opel nach dem Vorbild von Peugeot sanieren und als Marke erhalten. © reu

Paris/Rüsselsheim. (rs) Traditionell beginnt das Autojahr im Jänner mit der North American Auto Show in Detroit. Doch vor allem für die europäischen Mittelständler, die in den Pick-up-verliebten USA unter der Wahrnehmungsschwelle rangieren, ist der wenige Wochen später stattfindende Autosalon in Genf die wesentlich wichtigere Veranstaltung. Viele auf den europäischen Geschmack zugeschnittene Modelle werden hier erstmals dem breiten Publikum präsentiert.

In diesem Jahr sollen am Lac Leman aber nicht nur neue Fahrzeuge präsentiert werden, auch ein völlig neu aufgestellter Autobauer dürfte Premiere feiern. Denn laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll es noch vor dem am 9. März beginnenden Autosalon Klarheit darüber geben, ob PSA Peugeot Citroen die General-Motors-Tochter Opel übernimmt.

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Entsprechend zur Eile drängt Peugeot nun schon auch. Bei einem raschen Zusammenschluss der Unternehmen könnten innerhalb kurzer Zeit signifikante Synergien gehoben werden, betonte Konzernchef Carlos Tavares am Donnerstag bei der Präsentation der jüngsten Bilanz in Paris. Peugeot will die Kosten vor allem durch eine Vereinheitlichung der Fahrzeug-Architekturen senken und erhofft sich weitere Vorteile durch eine Zusammenlegung von Einkauf und Entwicklung.

Insider schätzen das Volumen der Einsparungen auf bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr. Auf diese Summe kommt in etwa auch der Analyst Dominic O’Brien vom französischen Finanzinstitut Exane BNP Paribas. Ihm zufolge lassen sich 1,2 Milliarden Euro durch einen gemeinsamen Einkauf einsparen, 400 Millionen Euro im Bereich Forschung und Entwicklung und 400 weitere Millionen Euro durch den Abbau von 6000 Stellen. Dieser werde wahrscheinlich eher durch natürliche Fluktuation und Freiwilligkeit als durch Kündigungen erzielt.

Laut Travares soll der gemeinsame Konzern auch vom Zusammenspiel der verschiedenen Marken profitieren. Mit Opel wolle man Kunden in Europa erschließen, die kein französisches Auto kaufen. "Wir wollen eine deutsche Marke in unserem Portfolio haben", sagte der PSA-Chef. Tavares machte in dem Zusammenhang deutlich, dass er die erfolgreiche Sanierung von Peugeot als Modell für Opel sieht. Dabei wolle PSA die Rüsselsheimer mit seiner Erfahrung unterstützen, nicht aber hineinregieren. Es solle ein eigener "Opel-Plan" sein.

Der PSA-Chef hatte der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen zugesagt, dass sich Peugeot im Fall einer Übernahme an Tarifverträge und Vereinbarungen bei Opel halten wolle. Damit sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende nächsten Jahres ausgeschlossen. Für die Opel-Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und das Ersatzteilzentrum in Bochum gelten Bestandsgarantien bis 2020. Nach Meinung von Experten dürften mögliche Standortschließungen und Einschnitte beim Personal erst danach auf dem Plan stehen. Die deutschen Werke gelten hier wegen der hohen Lohnstückkosten als besonders gefährdet.

Gewinn verdoppelt
Dass sein teils radikales Sanierungskonzept funktioniert, konnte Tavares am Donnerstag mit den jüngsten Zahlen eindrucksvoll untermauern. So hat sich der Nettogewinn im abgelaufenen Jahr auf fast 1,7 Milliarden Euro verdoppelt. Verantwortlich dafür waren neben höheren Verkaufspreisen vor allem Einsparungen bei Einkauf, Produktion und Verwaltung. Dank der Kostensenkung kletterte auch die operative Gewinnmarge im Autogeschäft von fünf auf sechs Prozent. Damit liegt Peugeot auf Augenhöhe mit dem Volkswagen-Konzern und dem Lokalrivalen Renault, bliebt aber klar hinter dem japanischen Branchenprimus Toyota zurück.

Für die Aktionäre - darunter die Familie Peugeot, der französische Staat und der chinesische Autobauer Dongfeng - dürfte das aber verschmerzbar sein. Denn nach einer sechs Jahre währenden Durststrecke soll es nun erstmals wieder eine Dividende geben. Pro Anteilschein sollen 48 Cent ausbezahlt werden.




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Dokument erstellt am 2017-02-23 18:05:06



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