• vom 28.02.2017, 17:15 Uhr

International

Update: 28.02.2017, 17:48 Uhr

USA

"Dann stirbt Mexikos Wirtschaft"




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Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Die Abschiebepolitik der USA droht Mittelamerika ins Chaos zu stürzen: Befürchtet werden vor allem ökonomische Folgen.

Das Tor für das Bruttoinlandsprodukt daheim: Eine Western Union Filiale in New York City. - © reuters/thayer

Das Tor für das Bruttoinlandsprodukt daheim: Eine Western Union Filiale in New York City. © reuters/thayer

Ciudad Juarez. Das Unternehmen mit den gelben Buchstaben auf schwarzem Untergrund kennt in Lateinamerika jedes Kind. Ob in Rio de Janeiro, San Salvador oder Ciudad Juarez: In den Warteschlangen der Filialen der "Migrantenbank" Western Union gibt es derzeit nur ein Thema: Donald Trump und die neue Migrationspolitik der USA.

Der Aktienkurs der Western Union hat den Stimmungsumschwung bereits zu spüren bekommen, er sackte in den letzten Wochen spürbar ab. Denn mit den drohenden Abschiebungen aus den USA ist auch ein Geschäftsmodell bedroht, dass in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung in Lateinamerika geworden ist.

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Noch vor ein paar Wochen überboten sich die Geldinstitute in Mittelamerika mit neuen Bestmarken: Mehr als sieben Milliarden Dollar überwiesen die guatemaltekischen Migranten im abgelaufenen Jahr aus den USA in ihre Heimat. So viel wie noch nie zuvor, so dokumentiert es die aktuelle Statistik der Banco de Guatemala. Und im etwas kleineren Nachbarland El Salvador meldeten die lokalen Medien im Jänner 2017: "Historischer Höchststand an Überweisungen aus den USA." Rund 345 Millionen US Dollar - 40 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor - schickten die Migranten zurück Richtung El Salvador. Am Ende des vergangenen Jahres waren es fast fünf Milliarden US Dollar, die den salvadorianischen Wirtschaftskreislauf stärkten.

In den beiden kleinen mittelamerikanischen Ländern zählen die sogenannten "Remesas" (Geldsendungen) zu elementaren Säulen des Bruttoinlandsproduktes (BIP). In El Salvador machen sie etwa fast ein Fünftel des BIP aus.

In Mexiko sind die Dimensionen noch größer. Von November 2015 bis November 2016 schickten die mexikanischen Migranten fast 27 Milliarden US Dollar über den Rio Grande gen Heimat. Damit überstiegen die Überweisungen der Auslandmexikaner laut Portal "Expansion.com" in diesem Zeitraum sogar die mexikanischen Einnahmen aus dem Ölexport um rund vier Milliarden US Dollar. "Mexiko ist in großem Umfang von seinen Arbeitern abhängig, die im Ausland leben und Geld nach Hause schicken", kommentiert das Wirtschaftsportal Expansion.

Doch nun scheint das alles bedroht. Erst verkündete der neue US-Präsident Donald Trump die Drohung, seine Regierung wolle diese Geldsendungen sonderbesteuern, um damit die Mauer zwischen den USA und Mexiko zu finanzieren. Das wäre für die mexikanische und mittelamerikanische Wirtschaft bereits ein harter Schlag. Noch heftiger aber würde es die Länder treffen, wenn Trump seine Drohung wahr macht und die Millionen sich illegal im Land aufhaltenden Migranten in die Heimat abschiebt. Dann würden nicht nur Hunderttausende plötzlich auf einen Arbeitsmarkt drängen, der ohnehin kaum Jobs zu bieten hat. Dann würden auch noch die Geldsendungen in die Heimat dramatisch einbrechen. Eine Rezession samt sozialen Unruhen wären die Folge.

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Dokument erstellt am 2017-02-28 17:20:06
Letzte Änderung am 2017-02-28 17:48:05



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