• vom 16.03.2017, 21:59 Uhr

International


Osteuropa

Der Strukturfonds steht in voller Blüte




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche sieht die osteuropäischen Volkswirtschaften wieder auf dem Konvergenzpfad. Das liegt zu großen Teilen an der wieder anspringenden EU-Förderung. Doch die politischen Risiken steigen.



Wien. (wak) Mittelfristig scheinen die Aussichten für die Länder Mittel-, Ost- und Südeuropas blendend. Vor allem in den EU-Mitgliedsländern der Region stehen die Zeichen auf Wachstum: Das liegt allerdings zum Teil daran, dass in den kommenden Jahren - der Prognosezeitraum ist von 2017 bis 2019 - die Fördertöpfe von der EU voll schlagend werden. Denn da ist die Hauptzeit der Investitionen durch den langfristigen Strukturfonds der EU, der unter anderem Infrastrukturprojekte in der Region fördert. Die derzeitige Finanzperiode läuft von 2014 bis 2020.

Die Anfangszeit dieses siebenjährigen Zeitraums lässt sich immer ein wenig langsam an, Projekte müssen eingereicht werden, Partner müssen gefunden werden - aber ab 2017 wird mit den vollen Effekten gerechnet. Zumindest vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Das Institut rechnet 2017 für die EU-Länder Mittel- und Osteuropas mit drei Prozent Wachstum (1,2 Prozentpunkte Vorsprung zum Durchschnitt der Eurozone). In der Periode 2018-2019 soll das Wachstum der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas sogar auf 3,2 Prozent ansteigen.


Riskant wird dann, was in den Jahren darauf folgt. Stichwort: Brexit. Denn der Rückzug des Vereinigten Königreichs aus der EU wird sich besonders bei den Transferleistungen in der Region bemerkbar machen, sagt WIIW-Ökonom Mario Holzner: "Man darf nicht vergessen, dass das Vereinigte Königreich bisher 20 Prozent zum Nettobudget beiträgt." Damit wird der Strukturfonds - und die Region - in Zukunft mit "erheblichen Einbußen" zu rechnen haben.

"Paradoxe Gruppe Visegrad"
Die sich gegenüber anderen Mitgliedern oft kämpferisch gebenden Visegrad-Staaten - Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn - sind laut Holzner eine "paradoxe Gruppe", denn bei denen ist die "Renaissance des nationalen Stolzes" zu beobachten, dabei sind sie "extrem abhängig von den Transferzahlungen". Ihr Verhalten gegenüber Brüssel schaut demnach "oft inkohärent aus", formuliert es Holzner.

Die Neuverhandlungen des EU-Budgets werden demnach auch "interessant" für diese Staaten werden, wo doch Westeuropa mitverhandeln wird. Man dürfe nicht vergessen, dass die EU-Transferzahlungen je nach Land zwei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, und damit für das Land "fundamental" sind, urteilt Holzner. Trotzdem: Vor allem die Visegrad-Staaten scheinen die Förderungen gezielt in Industrieproduktionen anzulegen; hier streicht Holzner die stattfindende Reindustrialisierung hervor.

Orientiert man sich rein an den wirtschaftlichen Daten, so sieht es auch im Rest der untersuchten Länder besser aus als zuletzt. Auf dem Westbalkan zieht die Wirtschaft an, und sogar die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten sowie die Ukraine "scheinen langsam aus dem Sumpf herauszukommen und an Fahrt aufzunehmen", erklärt Holzner.

Die Arbeitsmarktlage hat sich verbessert - die Arbeitslosenzahl ist gesunken, die Erwerbsbevölkerung stagniert. Man bewege sich langsam in Richtung Vollbeschäftigung. In großen Teilen der Region gebe es sogar einen Arbeitskräftemangel, sagt Holzner. Aus heutiger Sicht ist das Gebiet "wieder auf dem Weg der Konvergenz" mit dem Euroraum. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass parallel die politische Unsicherheit steigt. Neben dem Brexit nennt Holzner unter anderem die Wahl von Donald Trump: "Es ist nicht berechenbar, was Trump konkret bedeutet." Die Tatsache, dass der US-Präsident ein Vorreiter des Protektionismus zu sein scheint, könnte etwa auch ein Schlaglicht auf die Zukunft des Welthandels und damit auf die Länder Süd-, Mittel- und Osteuropas werfen: Denn diese seien extrem vom Export abhängig.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-16 17:27:04
Letzte nderung am 2017-03-16 17:31:29



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Mit Lira im Sturzflug Wahlen gewinnen
  2. "Dass die Abgabenquote gesunken ist, ist nicht per se eine gute Nachricht"
  3. Private Bahn zwischen Wien und Prag
  4. Geht Trumps "großer Wurf" daneben?
  5. Abgabenquote in Österreich 2016 stark gesunken
Meistkommentiert
  1. Bitcoin sackt binnen 48 Stunden um 1000 Dollar ab
  2. Ein Lauffeuer am See
  3. Energiewende - Siemens baut fast 7000 Stellen ab
  4. Begehrtes Gut Mobilfunkfrequenzen
  5. Wohntraum um 1000 Euro

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung


Werbung