• vom 06.07.2017, 07:30 Uhr

International


G20

Der nächste Plan für Afrika




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Von Klaus Huhold

  • Die G20 wollen bei ihrem Gipfel die Partnerschaft mit afrikanischen Ländern stärken.
  • Selbstlos ist diese Initiative nicht. Denn es geht dabei auch um neue Absatzmärkte - und das Eindämmen der Migration.

Alassane Ouattara, Cote d’Ivoires Präsident, und Angela Merkel wollen enger zusammenarbeiten.

Alassane Ouattara, Cote d’Ivoires Präsident, und Angela Merkel wollen enger zusammenarbeiten.© ap Alassane Ouattara, Cote d’Ivoires Präsident, und Angela Merkel wollen enger zusammenarbeiten.© ap

Hamburg/Wien. Es sind Zahlen, die die Dimension der Herausforderung klar erkennen lassen. Laut einer erst kürzlich aktualisierten Prognose der UNO wird die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten vor allem auf einem Kontinent kräftig wachsen, nämlich Afrika. So soll sich die dortige Bevölkerung verdoppeln, von heute etwa 1,3 Milliarden auf 2,5 Milliarden. Damit müssen jährlich Millionen Jobs für die nachrückende junge Bevölkerung geschaffen werden.

Welche Effekte es hat, wenn das nicht gelingt, ist schon jetzt zu beobachten: Armut und im schlimmsten Fall auch Krieg. So ist es etwa für Milizen in Bürgerkriegsländern wie dem Südsudan oder dem immer noch umkämpften Nordmali ein Leichtes, Kämpfer zu finden: Niemand ist leichter zu rekrutieren als junge Männer, die keine Perspektive haben, aber viel Zorn in sich tragen. Das starke Bevölkerungswachstum kann aber auch eine ganz andere Konsequenz haben: Dass immer mehr Menschen ihre Zukunft in der Auswanderung suchen und sich auf den Weg machen - entweder in die wirtschaftlich potenteren Staaten Afrikas oder nach Europa.


Auch unter diesem Aspekt ist die Initiative Deutschlands zu sehen, das gerade den Vorsitz der G20, der 20 größten Industrienationen, innehat. Bundeskanzlerin Angela Merkel will den G20-Gipfel an diesem Wochenende in Hamburg nutzen, die Zusammenarbeit mit Afrika voranzutreiben.

Der Vorstoß, der offiziell "Compact with Africa" heißt, soll ein Angebot an afrikanische Länder sein: Diese können mit G20-Staaten (von denen mit Südafrika nur ein einziger selbst afrikanisch ist), der Afrikanischen Entwicklungsbank, Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds einen Aktionsplan entwickeln. Die afrikanischen Länder erhalten Unterstützung bei Infrastrukturprojekten und der Suche nach Investoren. Sie selbst verpflichten sich dafür, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen und Reformen durchzuführen.

Den afrikanischen Ländern soll das mehr Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze bringen. Für die westlichen Partner wiederum wird es kein Nachteil sein, wenn ihre Konzerne in Ländern mit billiger Produktion und steigenden Absatzmärkten leichter Fuß fassen können.

Fünf Länder haben ein derart großes Interesse gezeigt, dass mit ihnen nun eine solche Partnerschaft ausgearbeitet wird: Cote d’Ivoire, Marokko, Ruanda, Senegal und Tunesien.

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Dokument erstellt am 2017-07-05 17:57:12



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