• vom 17.07.2017, 18:13 Uhr

International

Update: 17.07.2017, 21:03 Uhr

China

Chinas Wirtschaft zeigt erneut Stärke




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  • Hinter den erfreulichen Wirtschaftsdaten verbirgt sich ein immer größer werdender Schuldenberg.

Peking. (hep/apa) Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker als erwartet gewachsen. Um 6,9 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, das teilte das Statistikamt in Peking mit. Damit setzte sich der positive Trend des ersten Quartals fort, Ökonomen hatten zuvor mit einer leichten Abkühlung gerechnet.

Getragen wurde das Wachstum im Frühjahr unter anderem vom privaten Konsum. Der Einzelhandel meldete im Juni mit 11,0 Prozent das stärkste Umsatzplus seit eineinhalb Jahren. Der zuletzt starke Außenhandel - die Exporte hatten im Juni um 11,3 Prozent zugelegt - sowie ein Plus bei den Investitionen waren weitere wichtige Stützen für die Wirtschaft.


Die Regierung ist somit auf dem besten Weg, das angepeilte Wachstumsziel von 6,5 Prozent für das Gesamtjahr zu erreichen. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft nur um 6,7 Prozent gewachsen, das geringste Wachstum seit 26 Jahren.

Die Konjunkturdaten aus dem ersten Halbjahr lassen nun hoffen. "Das sind ermutigende Zeichen für das globale Wachstum, schließlich ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt", sagt Ökonom Craig James vom Wertpapierhändler Commonwealth Securities in Sydney.

Wachsender Schuldenberg
Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick erfreulich aussehen, sind Zweifel angebracht. "China hat noch immer keinen nachhaltigen Wachstumspfad eingeschlagen", erklärt der Pekinger Wirtschaftsprofessor Huang Weiping. Tatsache ist, dass staatliche Konjunkturprogramme zur starken Wirtschaftsleistung beigetragen haben.

Manche Experten sehen in den steigenden Schulden chinesischer Unternehmen die größte Gefahr für die Wirtschaft. Inzwischen summiert sich die Verschuldung auf 277 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Viele neue Kredite werden nur aufgenommen, um Altschulden stemmen zu können.

Erst im Mai hatte die US-Ratingagentur Moody’s deswegen Chinas Kreditwürdigkeit schlechter eingeschätzt. Das Rating der zweitgrößten Volkswirtschaft wurde erstmals seit 1989 herabgestuft. Grund dafür sind Befürchtungen, dass Chinas bisherige starke Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren einbrechen könnte. Erwartet würden steigende Schulden bei zugleich abnehmenden Wachstumsraten. Zudem zweifeln Wirtschaftsexperten an der Reformfähigkeit des Reichs der Mitte.

Auch der wachsende Protektionismus könnte den Exportweltmeister China in Schwierigkeiten bringen. So droht US-Präsident Donald Trump beispielsweise mit Schutzzöllen auf Stahlimporte, und europäische Firmen klagen über Billigimporte aus China. Ein weiteres Problem stellt der Immobilienboom dar. Experten befürchten eine Preisblase, deren Platzen in eine schwere Wirtschaftskrise münden könnte.

Warnung des IWF
"Der Reformprozess muss beschleunigt werden, um mittelfristige Stabilität zu sichern und dem Risiko zu begegnen, dass die laufende wirtschaftspolitische Umorientierung zu scharfen Anpassungen führen könnte", warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). Erstrebenswert wäre, dass die Wirtschaft künftig stärker vom Konsum und weniger von den Exporten getragen werde.

Erste Maßnahmen im Kampf gegen die steigende Verschuldung sind zwar zu erkennen. Auch für Präsident Xi Jinping habe der Abbau der Schulden in den Staatsunternehmen laut chinesischen Medien "hohe Priorität". Auch müssten die Behörden entschiedener gegen "Zombie-Firmen" vorgehen, die ausschließlich mit Krediten künstlich am Leben gehalten werden. Beobachter befürchten aber trotzdem, dass die Regierung die dringend notwendigen Reformen weiter aufschieben wird.

Unerwünschte Reformen
Im Herbst findet der 19. Parteikongress statt, bei dem der 64-jährige Xi seine Macht weiter ausbauen will. Schlechte Nachrichten in Form von schmerzhaften Reformen, die die Stimmung in der Bevölkerung trüben und Xis zweite Amtszeit in einem schlechten Licht darstellen lassen könnten, sind somit unerwünscht.




Schlagwörter

China, Wirtschaft, Handel

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-17 18:19:02
Letzte nderung am 2017-07-17 21:03:02



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